Burg Hohenzollern- Eine Reise durch die Geschichte

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070818

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Burg Hohenzollern- Eine Reise durch die Geschichte




Ein Besuch auf der Burg Hohenzollern


Als Burgen- und Schlösserfans besuchten wir in unserem diesjährigen Urlaub die Burg Hohenzollern, denStammsitz des preußischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern, die sich in Privatbesitz befindet. Weil wir die Burg komplett erkunden wollten, hatten wir uns gegen einen Tagesausflug entschieden und deshalb ein Zimmer in Hechingen, im Ortsteil Boll,  im Gasthof - Hotel – Löwen reserviert. In den Kundenbewertungen wurden besonders die Lage und der Blick zur Burg gelobt. Wir erreichten unser Hotel bei strahlendem Sonnenschein. Unser Zimmer war geräumig und zweckmäßig eingerichtet. Doch das Beste war der große dunkle Holzbalkon mit einem fantastischen Blick zur Burg.



Kaum hatten wir diese wunderbare Kulisse aufgenommen, zog kurze Zeit später Regen auf begleitet von einem Gewitter. Plötzlich wurde es dunkel, grelle Blitze verliehen der Burg etwas Geheimnisvolles. Fasziniert betrachteten wir aus sicherer Entfernung das grandiose Schauspiel. Die Blitze zuckten so schnell, dass ich es nicht schaffte, sie aufs Bild zu bannen. Weil wir einen ganzen Tag für die  Besichtigung der Burg geplant hatten, nutzten wir den Rest des Tages für eine kleine Tour in die Zollernstadt Hechingen. Immer wieder von Regen begleitet, konnte die Stadt ihrem Ruf nicht gerecht werden und uns vollends überzeugen. Trotz der interessanten Geschichten und den gepriesenen Bauwerken zog es uns weder zur Villa Eugenia und dem Fürstengarten noch zur Klosteranlage. Aber wir kamen am Hohenzollerischen Landesmuseum vorbei und besuchten den Unteren Turm. Als der Regen uns dann unseren Kaffeegenuss auf im Freien verdarb und auch die Kellnerin unsere Entscheidung ins Restaurant begrüßte, blieb uns nur noch die schrecklich schwierige Wahl des Abendessens. Eine ausgefallene Speisekarte mit erlesenen Gerichten insbesondere Wildschmankerl führte uns in Versuchung, der wir gnadenlos erlagen. Nach einem überaus üppigen und schmackhaften Mahl blieb bloß noch der Gang in die Buchhandlung, um die richtige Bettlektüre zu erwerben.

Der nächste Morgen begann mit einem reichhaltigen Frühstück auf dem Balkon. Dabei unser Ziel  immer vor Augen, starteten wir um 9:00 Uhr durch. Zuerst erwogen wir vom Hotel zur Burg zu laufen. Doch nachdem der einfache Weg laut Information mehr als drei Stunden dauern sollte, entschlossen wir uns, mit dem Auto zum Parkplatz zu fahren und von dort in einem zwanzigminütigen Aufstieg die Burg zu erobern. Wir folgten der Empfehlung - aufgrund des vorangegangenen Regens - lieber die Straße anstatt des Wanderweges zu nutzen. In Serpentinen schlängelte sich die Straße nach oben. Dabei konnten wir immer wieder einen Blick auf die Burg erhaschen.
 

Und dann erreichten wir den Eingang zur Burg, die mittlerweile bereits die Dritte ist. Die erste mittelalterliche Burg der Grafschaft Zollern, die 1267 erstmals erwähnt wurde, geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Sie wurde am 15. Mai 1423 nach fast einjähriger Belagerung durch den Bund der schwäbischen Reichsstädte erobert und vollständig zerstört. Die zweite Burg, die ab 1454 gebaut und zur starken Festung ausgebaut wurde, wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Württembergern erobert und besetzt. Sie war dann in habsburgischem Besitz, bevor sie während des Österreichischen Erbfolgekriegs im Winter 1744/45 von französischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Abzug der letzten österreichischen Besatzung 1798 verfiel die Burg und war Anfang des 19. Jahrhunderts nur noch eine Ruine. Nur die St. Michaelskapelle war erhalten geblieben.

Dass die Burg überhaupt wieder aufgebaut wurde, verdankt sie dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV, der sie 1819 auf einer Reise zu den Wurzeln seiner Herkunft kennenlernte. Er war von der Lage und dem außergewöhnlichen Blick von der Schlossbastion über die Landschaft so fasziniert,



dass er später als König die Burg von dem Berliner Architekten Friedrich August Stüler im Stil der Neugotik wieder aufbauen ließ. Die Grundseinlegung war 1850, vollendet wurde der Bau 1867 unter König Wilhelm I. von Preußen. Finanziert wurde der Bau von der brandenburgisch-preußischen und den fürstlich- schwäbischen Linien der Hohenzollern.

Die Burg nimmt fast die gesamte Bergkuppe ein und besteht hauptsächlich aus den Befestigungsanlagen, dem Schlossgebäude, 2 Kapellen und dem Burggarten. Zur Burg gelangt man über eindrucksvolle Auffahrtsanlagen, die der Ingenieur-Offizier Moritz Karl Ernst von Prittwitz entwarf.



Den Eingang bildet das Adlertor mit seiner Zugbrücke.



Durch vier Windungen gelangt man in den Burghof.
Die erste Windung dreht sich um den Wilhelmsturm. Man gelangt über den Zwinger zur zweiten Windung, dem niederen Vorwerk. Von hier aus führt die dritte Windung im Gewölbe des spiralförmigen Rampenturms und die vierte Windung direkt darüber mit unbedeckter Auffahrt.



Dann erreicht man die süd-östliche Schnarrwachtbastei mit einem herrlichen Blick auf den Ort Boll und den Dreifürstenstein.
Durch den oberen Torturm gelangten wir in den Burghof. Eine beeindruckende Kulisse.



Das Schlossgebäude bildet ein nach Süd-Osten geöffnetes U.



Es gibt eine katholische und eine evangelische Kapelle.



Beide bilden jeweils die Abschlüsse. Der äußere Umriss benutzt die alten Grundmauern der zweiten Burganlage. Über den alten Kasematten erheben sich die dreistöckigen Bauwerke, die mit vielen Türmchen verziert sind. Die vier Haupttürme heißen Kaiserturm, Bischofsturm, Markgrafenturm und  Michaelsturm. Im Burghof befindet sich der Wartturm, der sich als Treppenturm an den Fürstenbau mit Grafensaal und Bibliothek schmiegt und auf dem bei Anwesenheit des Burgherrn die Fahne gehisst wird.

Es zog uns zu den Befestigungsanlagen.
 

Der Blick über die Mauern ließ uns erahnen, was den Kronprinzen bewog, die Anlage wieder aufbauen zu lassen.
 

Vom Tal zog Nebel herauf.
 

Ich hatte bereits Ansichtskarten gesehen, in denen die Burg wie eine Insel im Nebelmeer lag. Auch wir sollten diesen Blick genießen. Allerdings verschluckte der Nebel die Landschaft unter uns.



Als es dann zu regnen begann, entschieden wir uns für die Führung durchs Schloss sowie die Besichtigung der Kapellen und Kasematten. Letztes besuchten wir zuerst. Es gab einige Räume, die freigelegt wurden und erahnen ließen, was das Leben zu damaliger Zeit einem Wachsoldaten abverlangte.

Ich wunderte mich, dass man mehr als eine Kapelle für eine Burg erbaute. Wie kam es dazu?
Auf der Burg Hohenzollern befinden sich Kapellen von drei christlichen Konfessionen: Die katholische St. Michaelskapelle wurde 1853 erweitert, ihr mittelalterlicher Teil datiert aus den Jahren 1454 bis 1461 und ist damit das einzig erhaltene Bauwerk der zweiten Burg. Schiff und Chor sind mit Netz-Rippengewölben überdeckt. Zahlreiche Fenster kommen aus der Kirche des ehemaligen Klosters Stetten, das zeitweilig die zollerische Erbgrablege war; sie entstanden zwischen 1280 und 1290.

Die evangelische Christuskapelle ist ein Werk Stülers in Anlehnung an den Westchor des Naumburger Doms. Das Aposteltor stammt von der zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aus Berlin. 

Unter der Christuskapelle liegt die russisch-orthodoxe Auferstehungskapelle, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von  Prinz Louis Ferdinand von Preußen für seine Frau Kira von Russland eingerichtet wurde. Nachdem wir uns die Kapellen in aller Ruhe angesehen hatten, erwartete uns eine Schlossführung. Wie in fast allen Schlössern war auch hier das Fotografieren bedauerlicherweise verboten.

Eine Freitreppe führte zur Stammbaumhalle.



Hier ließen sich eindrucksvoll die verschiedenen Linien verfolgen. Ursprünglich waren es drei Linien, die brandenburg-preußische, die schwäbische und die fränkische. Letztere fiel im 17. Jahrhundert an den brandenburgischen Zweig. Eindrucksvoll sind die Namen der Ahnen hier benannt. Von der Stammbaumhalle kommen wir in den Grafensaal, der die ganze Breite des Südflügels einnimmt. Sein spitzbogiges Rippengewölbe wird von acht rötlichen, freistehenden Marmorsäulen getragen. Die ebenfalls spitzbogigen Fenster tragen graue, braune und farbige Malereien. An den Grafensaal grenzen der Kaiserturm und die Bischofsnische, danach schließt sich die mit Wandgemälden von Wilhelm Peters zur hohenzollerischen Geschichte verzierte Bibliothek an. Im Markgrafenturm befindet sich der Salon des Königs.

Durch verschiedene private Gemächer kommt man schließlich in den Salon der Königin, auch als Blauer Salon bezeichnet, denn die Polstermöbel sind mit blauem Samt bezogen. Das Parkett besteht aus fünf verschiedenen Hölzern. Von einem Aussichtserker blickt man auf den Albtrauf, an den Wänden hängen Familiengemälde. Der Sekretär der Königin wurde nach Entwürfen Stülers geschaffen. Das Sèvres-Service stammt aus dem Besitz Napoleons und wurde von preußischen Truppen in der Schlacht von Waterloo erbeutet.

Ein Stockwerk tiefer gelangt man über die Waffenkammer in die Schatzkammer. Sie enthält unter anderem eine Courschleppe der Königin Luise aus Seidendamast, den Waffenrock Friedrichs des Großen aus der Schlacht bei Kunersdorf, die Schnupftabaksdose, die ihm das Leben rettete, seine Krückstöcke, zwei seiner Traversflöten und edelsteinbesetzte Tabatièren. Höhepunkt ist die mit 18 Brillanten und 142 zu Rosen geschliffenen Diamanten verzierte Krone Wilhelms II. Im Rahmen der Führung wurde uns von dem Einbruch im Jahr 1953 in die Burg erzählt. Mehrere Gegenstände wurden aus der Schatzkammer gestohlen. Der Täter wurde später gefasst und zu sechs Jahren Haft verurteilt. Einige der erbeuteten Gegenstände hatte er bereits eingeschmolzen bzw. auf der Flucht in den Main geworfen.

Als wir nach der Besichtigungstour den Burghof wieder betraten, hatte der Regen aufgehört und die Sonne strahlte.
Jetzt sah alles noch viel schöner aus und wir entschieden uns nach einer kleinen Stärkung das Schlossgebäude über die Bastionen zu umrunden.
 
 Wir begannen unseren Rundgang bei der St. Michaelsbastei.

Die nächste war die Gartenbastei.
Immer wieder machten wir eine kleine Pause auf einer der vielen Holzbänke und blickten über das Land.



Auch die Scharfeckbastei, der Spitz, die Fuchslochbastei, die Neue Bastei und die Schnarrwachtbastei lagen auf unserem Weg. Zwischen den Basteien sind die Standbilder der preußischen Könige aufgestellt.
Ich kann euch sagen, gut, dass alle beschriftet waren, ansonsten hätte ich nicht alle zusammengebracht.
Ein kleiner Abstecher in den Burggarten, der heute nicht mehr an seine  frühere Bestimmung erinnert, beendete den Rundgang.



Nach einem langen und interessanten Tag verließen wir die Burg, die übrigens 1978 bei einem Erdbeben schwer beschädigt wurde. Türmchen und Ritterfiguren waren umgestürzt. Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis in die 1990er Jahre an.

Jetzt wählten wir den Fußweg, der sich über unendlich viele Stufen erstreckte, so dass wir mit zitternden Knien am Parkplatz ankamen. Mit vielen neuen Eindrücken und erlebter Geschichte fuhren wir zurück ins Hotel. Dieser Besuch war ein Erlebnis, das ich jedem Burgenfan wärmstens empfehlen kann. Vielleicht gehört auch ihr bald zu einem der 500 Tagesbesucher.

Abends auf dem Balkon ließen wir mit einem sehnsüchtigen Blick auf Hohenzollern den  Tag Revue passieren. Übrigens war im Jahr 2015  die Burg Hohenzollern Kulisse für die Dreharbeiten des Psycho-Thrillers A Cure for Wellness. Im Jahr 2016 fanden auf der Burg die Außenaufnahmen der Kinderserie „Eine  lausige Hexe“ statt. Die Burg verkörpert in der Serie die Graustein Akademie für Hexen. Die Särge der Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrichs des Großen waren ab 1952 auf der Burg,  bis sie 1991 nach der Wiedervereinigung nach Potsdam überführt wurden.

Als wir am nächsten Morgen den Heimweg antraten, grüßte die Burg uns ein letztes Mal. Sie schien zu rufen: „Wir sehen uns wieder!“

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