Vom Abenteuer ein Buch zu schreiben

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130518

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Vom Abenteuer ein Buch zu schreiben




Liebe Leserinnen und Leser, 

vor vier Wochen hat mein erstes Kinderbuch den Büchermarkt entdeckt. Ich freue mich so sehr, dass sich nach Jahren endlich mein Traum erfüllt hat. Als ich das erste Exemplar in den Händen hielt, habe ich mich an den Anfang erinnert. Und bis aus der Idee ein druckreifes Buch geworden ist, war es ein langer Weg. Im Nachhinein betrachtet war es ein mehrjähriges Abenteuer, von dem ich euch gerne berichten möchte.  

Einige Zeit nachdem ich mein Hobby – das Schreiben - entdeckt hatte, reifte in mir die Idee über die kleinen Mäuse, die ich täglich am Hauptbahnhof in München sah, zu schreiben. Was würden diese pfiffigen Mäuse alles erleben. Schon bald stürzte ich die Mäusekinder in verschiedene Abenteuer. In acht Kapiteln ließ ich meinen Protagonisten Korbinian Kässpatz – von seinen Freunden Korbi genannt – am Hauptbahnhof mit seinen Geschwistern und Freunden Unfug treiben, schickte ihn auf gefährliche Ausflüge und ließ ihn als Retter erscheinen. Schließlich musste er unfreiwillig den Hauptbahnhof verlassen und sich in zwei Kapiteln in der Menschenwelt behaupten, bevor ich ihn im letzten Kapitel auf den beschwerlichen Rückweg schickte und ihn letztendlich glücklich bei seiner Familie und den Freunden ankommen ließ. Wenn ich heute so zurückdenke, war das der kürzeste Teil meines Abenteuers – das Erfinden und Schreiben. Einmal geschrieben, waren die Kapitel noch lange nicht druckreif. Jetzt ging es ans Überarbeiten, zum einen mussten Rechtschreibung, Zeichensetzung korrigiert werden und kindgerechte Sätze gebildet werden. Das war ein langer Prozess. Ich hatte ein dreijähriges Fernstudium Belletristik und Kinderliteratur an der Hamburger Schreibschule begonnen. Zwischendrin versuchte ich das Gelernte für meine Geschichte umzusetzen und wieder ging es ans Überarbeiten. Im Kurs inbegriffen war ein kostenloses Lektorat. Also sendete ich wie festgelegt die ersten vier Kapitel und ein drei Seiten langes Exposè an meine Lektorin. Das Ergebnis machte mir Mut. Ich besserte hier und da noch aus. Natürlich las ich in der Zwischenzeit unendlich viel Literatur zum Thema „Ein Buch schreiben“ und „Kinderliteratur“. Ich beschäftigte mich mit dem Thema – einen geeigneten Verlag zu finden - und Fehler zu vermeiden. Auch ein Seminar zu diesem Thema besuchte ich. Ich versuchte die guten Ratschläge umzusetzen, besorgte mir Verlagsübersichten, studierte genau, ob mein Manuskript in das Verlagskonzept passte. Dann versuchte ich es. Neben dem Manuskript und Exposè erstellte ich eine Kurzvita und dann ging es los. Ich weiß es noch wie heute. Ich schrieb immer nur zwei Verlage gleichzeitig an, versuchte die Namen der Verantwortlichen zu finden, um eine zielgerechte Bewerbung abzugeben. Insgesamt waren es fünfundzwanzig Bewerbungen. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Manche meldeten sich gar nicht, andere insbesondere große Verlage schickten Standardabsagen. Es waren die kleinen Verlage, die mit ihren wohlwollend formulierten Absagen mir wieder Mut machten, es weiter zu versuchen. Es gab sogar eine Zusage. Doch als ich den Vertrag genau las, nahm ich Abstand. Denn hier hätte ich Tausende Euro investieren müssen. Ich hatte mich versehentlich bei einem so genannten Druckkostenzuschussverlag beworben. Vor zwei Jahren besuchte ich in München noch mal ein dreitägiges Kinderbuchseminar. Hier ging es tatsächlich zur Sache. Im Vorfeld musste man einige Kapitel und ein Exposè schicken. Der Seminarleiter hatte kurz zuvor ein Buch zum Thema „Exposè schreiben“ herausgebracht. Also überarbeitete ich mein Exposè nach diesen Empfehlungen wieder einmal und kürzte es von drei auf eine Seite. Gerade bei diesem Thema stelle ich immer wieder fest, dass es keine Einheitlichkeit gibt. Während manche Lektoren sich ausführliche Exposè’s wünschen, lieben andere die Kürze. Aber nach diesem Seminar zweifelte ich mal wieder an mir und meinem Manuskript. Ich hatte so viel erfahren und musste mich mit der Frage auseinandersetzen, ob Mäuse im Gleisbereich nicht zu gefährlich für Kinder sind. Einige Wochen legte ich alles auf Eis. Aber dann ging ich doch wieder ans Überarbeiten, bis ich für mich entschieden hatte, jetzt ist es fertig. Nun suchte ich Testleser. Es sollte niemand aus der Familie sein, weil du in der Regel von Familienangehörigen positives Feedback bekommst. Zuerst versuchte ich es bei einer Autorenkollegin, die selbst einen fünfjährigen Sohn hatte. Da sie selbst ein völlig anderes Genre bedient, wollte sie mir aus ihrer Sicht kein Feedback geben und ihr Sohn hatte nach dem zweiten Kapitel das Interesse verloren. Das war hart. Wie sollte es weitergehen? Aufgeben? Nein, so schnell wollte ich nach all den Anstrengungen die Flinte nicht ins Korn werfen. Also bat ich einen Kollegen um seine Meinung. Ihn hatte ich als anspruchsvollen Kritikers bereits bei Kurzgeschichten erlebt. Sein Urteil bestätigte mich dann wieder. Es gab einige Dinge, die ihm nicht gefielen, aber der Gesamteindruck passte. Also durchdachte ich seine Einwände. Jetzt kam auch mein Mann ins Spiel. Er liest in der Regel nichts von mir. Aber hier machte er eine Ausnahme, las das erste Kapitel und gab mit Tipps insbesondere für den Einstieg. Nach einer erneuten Überarbeitung konnte ich den Partner einer Kollegin als Vorleser für seinen sechsjährigen Sohn gewinnen. Von ihm und seinem Sohn erhielt ich die besten Anregungen und ausführliches Feedback. Daraufhin wurde der Text noch einmal überarbeitet. Jetzt stand mein Manuskript nach meiner Ansicht auf zwei gesunden Beinen.  

Dieses Mal wollte ich die Verlagssuche anders angehen. Nachdem verschiedene meiner Kurzgeschichten in Wettbewerben  beim net Verlag angenommen wurden, fasste ich mir ein Herz und bewarb mich im Juni 2017 mit meinem Manuskript. Bereits im Rahmen der Ausschreibungen hatte ich die Verlegerin als kompetent, hilfsbereit und unterstützend kennen gelernt. Bereits einen Tag nach Abgabe erhielt ich die Rückmeldung, dass sie das Manuskript prüfen wird. Und keine vier Wochen später, erhielt ich die Zusage und ein Angebot. Ich war so glücklich und hätte die Welt umarmen können. Jetzt mussten viele Entscheidungen getroffen werden. Wie sollte das Buch aussehen – Größe, Umschlag, Bilder - . Auch musste ich mir überlegen, wie viele Bücher ich abnehmen würde. Es gab natürlich eine Mindestabnahme. Weiter ging es mit dem Gestalten. Welche Illustrationen sollten ins Buch und wer würde malen? Schließlich braucht ein Kinderbuch Bilder. Da ich selbst kein Talent zum Zeichnen oder Malen habe, vermittelte mir die Verlegerin eine Illustratorin. Jetzt folgten viele Telefonate und Mails. Ganz genau musste ich die jeweiligen Szenen, die ich gemalt haben wollte, beschreiben. Auch die Anzahl der Bilder musste abgestimmt werden. Zum einen musste ich ja die Illustratorin selbst zahlen und zum anderen würde sich die Anzahl auch im Buchpreis niederschlagen. Die Illustratorin Jenny Schneider war ein Glücksgriff. Da sie selbst ein Eisenbahnerkind ist, hatte sie einen besonderen Bezug zu meinen Figuren. Sie malte wunderschöne kindgerechte Bilder und so zügig, dass wir alles fristgerecht abliefern konnten. Nachdem alle Details geklärt waren, unterbreitete mir die Verlegerin ein neues Angebot. Ich hatte mich für die Mindestabnahme entschieden. Die erste Hälfte der Rechnung musste nach Vertragsabschluss und die zweite Hälfte vor dem Buchdruck gezahlt werden. Die Monate September und Oktober waren sehr aufregend. Fast täglich tauschte ich mich mit der Illustratorin aus, begutachtete die Bilder und gab Rückmeldung. Da es sich teilweise um Bilder am Bahnhof handelte, musste ich die Genehmigung der Deutschen Bahn einholen. Die Verlegerin benötigte einen Vorschlag für den Klappentext und für das Vorwort sowie ein Autorenportrait. Außerdem musste ein Bild von mir her. Zum 31.10.17 war dann alles im Entwurf fertig, so dass der Erscheinungstermin 01.04.2018 umsetzbar war. Das Coverbild hatte die Illustratorin im Auftrag der Verlegerin gemalt und ich hatte Mitsprecherecht. Im November und Dezember wurde es dann etwas ruhiger, denn ich hatte meinen Teil getan. Jetzt arbeitete der Verlag.

Im November meldete sich die Redakteurin unserer Mitarbeiterzeitung. Es sollte eine Jubiläumsausgabe im Dezember geben und es wurden wieder Mitarbeiter-/innen gesucht, die ein außergewöhnliches Hobby haben und schon einmal mit diesem vorgestellt wurden. Da es 2010 bereits einen Artikel über mich gab, fragte die Redakteurin an, ob ich noch immer schreibe und sie mich interviewen könne. Natürlich sagte ich mit Freuden zu. Und so konnte ich nicht nur über mein Hobby sprechen sondern auch Werbung für mein erstes Kinderbuch machen.

Mich beschäftigte das Thema „Homepage“.  Sollte ich mir eine eigene Homepage erstellen. Im Internet gibt es dazu viel Lesestoff und Anleitungen, mit denen im mich im Weihnachtsurlaub intensiv beschäftigte. Doch nach allem Nachdenken kam ich zu dem Schluss, mir keine einzurichten. Eine eigene Seite muss immer aktuell und interessant sein. Sie will gehegt und gepflegt werden. Und das erfordert viel Zeit und Geschick, über ersteres verfüge ich nicht und als technisches Embryo benötige ich viel Unterstützung. Deshalb entschied ich mich auf den Werbeflyern meine Mailadresse anzugeben. So kann jemand direkt mit mir in Kontakt treten und meine Mails checke ich täglich.

Ab Februar 2018 ging es dann weiter. Die zwei Korrekturabzüge kamen in recht kurzen Abständen und mussten gelesen werden. Eine Vita für die Homepage des Verlags wurde benötigt. Hier entschied ich mich, mein Autorenportrait zu übernehmen. Im März kamen dann bereits  die Flyer, mit denen ich werben konnte. Ich nutzte und nutze jede Gelegenheit insbesondere in Bahnhofsbuchhandlungen, aber auch in Geschäften in meiner Nähe zu werben.

Als ich am 04.04.18 abends nach Hause kam, stand im Treppenhaus ein riesiger Karton mit meinen Büchern. Mein Mann schleppte ihn nach oben und ich schenkte ihm das erste Exemplar. Noch am selben Abend las er es, was mich total freute ebenso wie sein Feedback. Bereits am nächsten Tag nahm ich die ersten Bücher mit ins Büro und schenkte meinen Testlesern ihr Exemplar mit persönlicher Widmung. Ein Exemplar steht bei mir zur Ansicht im Büro. Auch wenn ich gerne für das Buch werbe, spreche ich die Interessenten immer nur persönlich in der Pause an. Ich trenne hier zwischen Arbeit und Hobby. Jetzt befinde ich mich schon in der nächsten Phase, die sich mit der Frage beschäftigt: „Wie kann ich mein Buch vorstellen und auch verkaufen?“ Dazu nutze ich zum einen meine Kontakte, gehe auf Gemeindebüchereien und Kindergärten zu und biete Lesungen an. Dieser Prozess wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen und so bin ich noch lange mit meinem Korbi verbunden. Schließlich ist er mir ans Herz gewachsen und nicht so schnell mehr wegzudenken. Die ersten dreißig Bücher habe ich verkauft und bereits Feedback erhalten. Ein Kollege berichtete, dass sein Enkel unbedingt wissen will, was der Korbi noch erlebt und fragte nach weiteren Abenteuern.

Ich gehe aber nicht von einer Fortsetzung aus. Ich möchte das Thema nicht überdehnen. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, wieder einmal ein Kinderbuch zu schreiben.

Vielleicht hat euch der Beitrag Lust aufs Schreiben und für alle, die bereits ein Manuskript in der Schublade haben, dieses bekannt zu machen. Und jede/r Schreibende ist herzlich willkommen in unserem Forum. Lasst uns teilhaben an euren Geschichten. Ich freue mich von euch zu lesen.

Viele liebe Grüße Sabine


Zuletzt von muglsabine2016 am So 13 Mai 2018 - 14:47 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet (Grund : formatiert)
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