06 A. C. Greeley Reisen & Berichte

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021017

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06 A. C. Greeley Reisen & Berichte




Das Felsenkloster Ostrog in Monte Negro

Tief in den unwirtlichen Bergen Monte Negros liegt das Felsenkloster Ostrog.


Wir kommen von der wilden Bergseite (wie ich sie nenne). Die eng gewundenen, steilen, teilweise sehr schlechten Straßen sind ein wahres Abenteuer. Erst der letzte Teil ist breiter und gut asphaltiert. Bis dahin halte ich die Luft ein paar Mal an. Dennoch -  ich sehe zu oft in den Abgrund, obwohl ich genau weiß, ich sollte DAS nicht tun, aber die unwirtlichen Berge von Monte Negro belohnen mich dafür mit wildromantischen, zauberhaften Landschaften.


Als wir endlich am oberen Parkplatz ankommen, geht‘s mir trotzdem besser.
Wir sind klugerweise relativ früh da, obwohl schon einige andere Besucher anwesend sind. Bei Felsenkloster ist man niemals alleine, doch die großen Reisebusse bleiben uns bisher erspart.
Pilger übernachten mit kratzigen Wolldecken, die ihnen zu Verfügung gestellt werden, regelmäßig hier. Jede Menge Gläubige suchen diesen Ort auf - und auch wer als Urlauber in Monte Negro unterwegs ist, wird sich einen Besuch hier nicht entgehen lassen.
Aus Respekt vor dem orthodoxen Glauben trage ich natürlich ein Shirt mit Ärmeln, die meine Schultern bedecken, sowie lange Hosen.
Schon am Eingang schlägt mir der Geruch von Weihrauch entgegen.
Als wir die heilige Halle - den Schrein vom St. Vasilije betreten wollen, müssen wir erstmal warten. Es ist nämlich eine kleine Felsenhöhle, die nicht viel Raum für mehrere Personen lässt. Ein Gläubiger mit Bart und finsterem Blick geleitet die Besucher rein und raus.
Als wir endlich die heilige Stätte betreten, ist der Weihrauchgeruch an der Grenze des Erträglichen. Fotografieren ist hier verboten. Wir werfen einen Blick auf die bedeckten Überreste des heiligen Vasilije und die alten, teilweise stark verblichenen Wandmalereien.
Auch danach, als wir durch die Gänge des Felsklosters streifen, entdecken wir jede Menge Wandmalereien.
Solange wir uns nicht in den kleinen heiligen, streng bewachten Höhlenräumen befinden, erlaube ich mir, das eine oder andere Foto diverser Malereien zu schießen. Damit mache ich nichts kaputt, außerdem befinden sich alle im Freien.


Das Kloster wurde 1656 vom Metropoliten von Hum und der Herzegowina: Vasilije Jovanovic (Originalname: Vasilije Ostroški, vermutlich am 28.Dez.1610 geboren) gegründet.

Zusammen mit 30 anderen Mönchen (so die Geschichtsschreibung) beschloss er das Kloster in zwei Höhlen am Berg Ostrog zu bauen, damit sie für die Türken uneinnehmbar werde.
Er lebte und wirkte in einer unruhigen Zeit, denn das Volk wurde durch jede Menge Kriege am friedlichen Leben gehindert.
Er zog nach Ostrog, nachdem die Türken das Kloster Tvrdos bei Trebinje (Bosnien) zerstört hatten und er auch in Niksic seines Lebens nicht sicher war.
Vasilije verstand es, seine ihm anvertrauten orthodoxen Gläubigen vor den Osmanen und den missionierenden Katholiken zu beschützen.
Seine Landsleute betrachteten ihn als von Gott Gesandten zur Rettung seiner Landsleute. Ein bekannter Ausspruch der damaligen Zeit war: Er ist der Engel auf Erden und ein Mann des Himmels.

Sieben Jahre nach seinem Tod wurde sein Körper wieder ausgegraben, weil Vasilije den Bischof in Träumen heimsuchte und darum bat, ausgegraben zu werden.
Tatsächlich kam man seinem Wunsch nach und grub ihn aus. Man fand seinen Körper unversehrt im Grab.
Die Verwesung hatte und hat bis heute nicht eingesetzt, besagt zumindest die Legende. Ich war zwar bei seinen streng bewachten Überresten, doch diese waren klarerweise abgedeckt, also kann ich die Legende nicht bestätigen oder widerlegen. Jedenfalls wird diese Geschichte bis heute weit über die Grenzen Europas hinaus als Wunder angesehen. Nicht nur die römisch-orthodoxen Anhänger sind von davon überzeugt, sondern auch die römisch katholischen und moslemischen Gläubigen.
Seine Gebeine haben den Status einer Reliquie und sollen seit seinem Tod unzählige Wunder hervorgebracht haben.
An der Stelle im Kloster, wo der Heilige Vasilije angeblich gestorben ist, ist eine Weinrebe aus dem Stein gewachsen. Sie trägt heute noch jede Menge Trauben, obwohl sie dort keine natürlichen oder klimatisch günstigen Bedingungen hat. Auch das gilt bei den Gläubigen als Wunder.


Ob all die Legenden nun stimmen oder nicht, dieses Kloster hat eine ganz besondere Ausstrahlung - daran denke ich, als wir ins Auto einsteigen und den Ort verlassen.

Reiseberichte finden sich auch hier: Nebeltau - Blog
unter anderem auch dieser Wink Cool
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06 A. C. Greeley Reisen & Berichte :: Kommentare

Beitrag am Mi 4 Okt 2017 - 9:19 von muglsabine2016

Liebe Agnete, 
vielen Dank für deinen interessanten und inspirierenden Beitrag. Du lässt uns mit dir die Reise zum Kloster erleben. Gemeinsam streifen wir mit dir durch den Felsen,  betrachten die Wandmalereien und genießen die Landschaft. Wunderbar.
G.l.G. Sabine

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