05 Gravierende Unterschiede trotz gleicher Sprachkultur

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011017

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05 Gravierende Unterschiede trotz gleicher Sprachkultur




Anlässlich einer äusserst interessanten Diskussion, haben wir uns dazu entschieden, hier mal einen netten  Kolumnenartikel zum Thema Unterschiede in der Sprache, Grammatik und Rechtschreibung (Österreich/Deutschland) zu platzieren.

Liebe Grüße,
Kristine und Maria
(das SchreibElan Lektorat oder auch Anonymus1)

Das österreichische Deutsch, unterscheidet sich vom deutschen Deutsch!

Insbesondere im reicheren Wortschatz!
Beispiele für unterschiedliche Begriffe finden sich am Ende dieses Artikels.
Meist können die Ausdrücke aus dem deutschen Deutsch, problemlos durch Ausdrücke aus dem österreichischen Deutsch ersetzt werden.

Daneben gibt es auch gravierende Unterschiede in der Grammatik!
So werden beispielsweise das Präteritum und das Plusquamperfekt seit dem 16./17. Jahrhundert in Österreich und im Süden Deutschlands, wenn überhaupt, nur noch in der schriftlichen Form verwendet. Beim mündlichen Erzählen wird an Stelle des Präteritums das Perfekt gebraucht. Dadurch sind neue Zeitformen entstanden: z. B. das Doppelte Perfekt.
So auch in Hinblick auf Präpositionen. Hier lässt die österreichische Grammatik, insbesondere aus literarischer Sicht, im Gegensatz zur deutschen Grammatik wertvolle Freiräume und Sprach-Toleranzen zu, die sich aus dem einst habsburgischem Dialekt entwickelt haben und mittlerweile ins österreischische Hochdeutsch eingegliedert wurden. Mehr dazu noch in den Kapiteln weiter unten.

Unterschiede in der Schreibung aufgrund unterschiedlicher Aussprache!
Ö: Buffet (französische Aussprache mit stummem t), Kücken (gesprochem mit kurzem Vokal), Spaß (gesprochen mit langem Vokal)
D: Büfett (eingedeutscht mit ausgesprochenem t), Küken (gesprochen mit langem Vokal), Spass (gesprochen mit kurzem Vokal).
In Österreich verwendet man an Stelle von „Geschoß“ eher „Stock(-werk)“ und an Stelle von „zweigeschoßig“, „dreigeschoßig“, eher „zweistöckig“, „dreistöckig“. Wenn in Österreich das Wort „Geschoß“ (sowohl im Sinn von „Stockwerk“ als auch im Sinn von „Projektil“) verwendet wird, dann wird es eher mit langem Vokal gesprochen und eher mit ß geschrieben, in Deutschland eher mit kurzem Vokal und daher mit ss. In Österreich herrscht die Tendenz, den Vokal in einsilbigen Wörtern zu dehnen. In einigen Regionen Deutschlands werden hingegen umgangssprachlich die Einsilber verkürzt (z. B. „Bad“ mit kurzem a).

Auf die Umlaute nicht vergessen!
Ö: zweifärbig, bleihältig, ¼-zöllig, 5-grädig, die Bögen, die Krägen, die Generäle, die Admiräle, nützen, benützen, Benützeroberfläche etc.
D: zweifarbig; bleihaltig; ¼-zollig, 5-gradig; die Bogen, die Kragen; die Generale, die Admirale; nutzen, benutzen, Benutzeroberfläche etc.

Aber Achtung, es gibt Ausnahmen!
D: Krämer, Lüster (Kronleuchter)
Ö: Kramer (oder Greißler), Luster.
In der Umgangssprache wird aber das Prinzip der „Umlauthinderung“ wirksam:
Ö:Wir schreiben zwar „hüpfen“, sagen aber „hupfen“.

Im Zweifelsfall das sächliche Geschlecht (vor allem bei Lehnwörtern)!
Ö: das Cola, das Offert, das (Kunden)Service, das E-Mail, das SMS, das Radar, das Sakko, das Kondom, das Prospekt, das Sandwich, das Podest etc.
D: die Cola, die Offerte, der Service, die E-Mail, die SMS, der Radar, der Sakko (oft auch Jackett), der Kondom, der Prospekt, der Sandwich

Aber Achtung, auch hier gibt es Ausnahmen!
Ö manchmal: das Gehalt, üblicher allerdings: der Lohn
D nur: das Gehalt.
Manchmal existieren Wörter in zwei verschiedenen Versionen (mit e und ohne e); die Formen ohne Endungs-e sind typisch für den Sprachgebrauch in Österreich:
Ö: der Akt (= Sammlung von Schriftstücken), der Zigarettenspitz (= das Mundstück), das Eck (das Eck vom Käse) etc.
D: die Akte; die Zigarettenspitze, die Ecke (die Ecke vom Käse)
In einigen Fällen unterscheidet sich der Gebrauch bei „der Spitz/die Spitze“ allerdings nicht.
Ö+D: an der Spitze des Feldes; die Spitze des Messers/des Eisbergs;
Und in einigen Fällen unterscheidet sich der Gebrauch bei „das Eck/die Ecke“ ebenfalls nicht:
Ö+D: den Ball ins lange Eck schießen, das Dreieck, das Viereck, das Deutsche Eck.

Hauptwörter mit Verkleinerungsendungen auf -l, -erl usw. tragen in der Mehrzahl immer ein -n, ganz egal um welchen Fall es sich handelt!
1. Fall: „Die Powidltascherln haben gut geschmeckt.“
2. Fall: „Die Fülle der Powidltascherln war ausgezeichnet.“
3. Fall: „Er kann den Powidltascherln nichts abgewinnen.“
4. Fall: „Wir haben Powidltascherln gegessen.“

Aber Achtung!
Es gibt auch Wörter, die auf -l enden und keine Verkleinerungsformen sind. Tückisch sind vor allem Maskulina wie „Knödel“, „Stadel“, etc.
Sie tragen nur im 3. Fall, Mehrzahl, ein -n:
1. Fall: „Die Knödel haben gut geschmeckt.“
2. Fall: „Die Fülle der Knödel war ausgezeichnet.“
3. Fall: „Er kann den Knödeln nichts abgewinnen.“
4. Fall: „Wir haben Knödel gegessen.“

Einige Adverbien tragen in Österreich ein Endungs-S!
So wird „weiters“ (im Sinn von „weiterhin“ oder „ferner“) in Österreich mit s am Wortende gebraucht, genauso „durchwegs“ („durchwegs heiter“).
Das österreichische „öfters“ kann nicht in allen Fällen verwendet werden, „durchgehends“ ist veraltet, die Form ohne s ist bereits häufiger anzutreffen.
Ein e in der Wortfuge ist in Österreich seltener anzutreffen!
Ö: Tragtasche, Tagblatt, Taggeld etc.
D: Tragetasche, Tageblatt, Tagegeld.

Mit dem Reflexivpronomen „sich“ nicht geizen!
Ö: Es lohnt sich nicht; Sie soll sich nicht zu viel erwarten etc.
D: Es lohnt nicht; Sie soll nicht zu viel erwarten etc.

Zwischen „da“ und „dort“, „dahin“ und „dorthin“ genau unterscheiden!
Ö: ein Ereignis am Ort des Sprechers wird mit „da“ umschrieben, ein Ereignis an einem vom Sprecher entfernten Ort mit „dort“.
D: es kann in beiden Fällen „da“ verwendet werden.
Ö: „Beim nächsten Toscana-Urlaub fahre ich nicht mehr nach Siena, denn ich war schon letztes Jahr dort.“
D: „... denn ich war schon letztes Jahr da.“

Das gilt auch für „dahin“ und „dorthin“.
Hier präsentiert das österreichische Deutsch also eine wesentlich „korrektere“ und „genauere“ Differenzierung.

Zwischen „her“ und „hin“ genau unterscheiden!
Im Allgemeinen wird mit „her“ die Richtung auf den Standpunkt des Sprechers zu ausgedrückt. Mit „hin“ wird die Richtung vom Standpunkt des Sprechers weg ausgedrückt. (Das gilt nicht für den übertragenen Gebrauch von Zeitwörtern. In diesen Fällen steht durchgehend „her“: „Sie sind über ihn hergezogen.“)

Bei den zusammengesetzten Adverbien „herauf/hinauf“, „heraus/hinaus“, „herunter/hinunter“, „herüber/hinüber“, „herein/hinein“ wird in Deutschland an dieser Unterscheidung selbst in der Standardsprache nicht mehr konsequent festgehalten, in Österreich hingegen sehr wohl.
Ö: den Bissen hinunterschlucken; das Werkzeug dem Mann auf die Leiter hinaufreichen etc.
D: den Bissen herunterschlucken; das Werkzeug dem Mann auf die Leiter heraufreichen.

Der unterschiedliche Gebrauch hängt damit zusammen, dass in der norddeutschen Umgangssprache die verkürzten Formen „rauf“ (= herauf), „raus“ (= heraus), „runter“ (= herunter), „rüber“ (= herüber) und „rein“ (= herein) ohne Rücksicht auf die Richtung gebraucht werden.
D: „Komm, wir gehen gleich in den Saal rein!“/ Schau, er klettert den Baum rauf!“
Ö: „Komm, wir gehen gleich in den Saal hinein!“/ „Schau, er klettert den Baum hinauf.“

Auch in der österreichischen Umgangssprache wird die Richtung strikt beachtet.
„Schau, er klettert den Baum ‘nauf (= hinauf)!“ „Komm, wir gehen auf die andere Straßenseite ‘nüber (= hinüber)!“.

Zahlen sind in Österreich im Allgemeinen männlich, nicht weiblich!
Ö: Er hat in Mathematik einen Fünfer/ Sie ist mit dem Fünfer (Straßenbahnlinie 5) nachhause gefahren etc.
D: ... eine Fünf/ Sie ist mit der Fünf nach Hause gefahren.

In der Schriftsprache heißt es hingegen auch in Österreich:
„Ein Zug der Straßenbahnlinie fünf ist entgleist“.

Es muss in der indirekten Rede bei dass-Sätzen nicht der Konjunktiv stehen!
In der geschriebenen Form und in der Hochsprache wird in Österreich der Konjunktiv viel seltener verwendet als in Deutschland.
D meist: Der Bundeskanzler sagte, dass das Gesetz in der besprochenen Form in die Begutachtung gegangen sei.
Ö meist: Der Bundeskanzler sagte, dass das Gesetz in der besprochenen Form in die Begutachtung gegangen ist.

Da der Konjunktiv in Österreich seltener verwendet wird, dient er vor allem dazu einen Zweifel an einer Aussage auszudrücken.
„Er sagte, dass sich die Grippeepidemie rasch ausbreite.“
In Deutschland wird dies als neutrale Wiedergabe einer Aussage empfunden.
In Österreich hat derselbe Satz einen anderen Klang; es entsteht der Eindruck, dass der Erzähler den Wahrheitsgehalt nicht überprüfen konnte oder ihn in Frage stellt: „Er sagte, dass sich die Grippeepidemie rasch ausbreite (die subtile Bottschaft dahinter: andere Experten halten das für Panikmache).“

Zeitwörter, die Körperhaltungen ausdrücken, wie beispielsweise „stehen“, „sitzen“, „liegen“ verlangen in Österreich (und Süddeutschland) „sein“ und nicht „haben“!
Ö: ich bin gestanden, bin gesessen, bin gelegen etc.
D: ich habe gestanden, habe gesessen, habe gelegen etc.

Gleiches gilt für alle Zusammensetzungen dieser Wörter wie „dabeistehen, gegenüberstehen, stillstehen“ etc. sowie für den übertragenen Gebrauch.
Ö: „Er ist unter Stress gestanden.“
D: „Er hat unter Stress gestanden.“
Grammatikalisch richtiger im Kontext zur Sprache, ist die österreichische Version.

In Zweifelsfällen wird „sein“ verwendet!
Intransitive Verben, die einen Zustand oder ein Geschehen in seiner Dauer ausdrücken, bilden das Perfekt mit „haben“:
„Die Rosen haben lange geblüht.“
Intransitive Verben, die eine Zustands- oder Ortsveränderung beschreiben, bilden das Perfekt hingegen mit „sein“:
„Die Rosen sind verblüht.“
Laut deutscher Duden-Grammatik müsste es heißen:
„Im Urlaub haben wir viel geschwommen.“ und „Einmal sind wir bis zur Insel geschwommen.“
Doch selbst in Norddeutschland sagt man inzwischen immer öfter:
„Im Urlaub sind wir viel geschwommen …
Die österreichische Form ist auch hier aufgrund seiner grammatikalischen Unterscheidungsgenauigkeit empfehlenswert.

Im Zusammenhang mit Hitze, Kälte, Gestank verwendet man in Österreich „haben“ und nicht „sein“.
Ö: „Es hatte 30 Grad im Schatten!“ – „Es hatte einen furchtbaren Gestank in diesem Zimmer!“
D: „Es waren 30 Grad im Schatten.“ – „Es war ein furchtbarer Gestank in diesem Zimmer!“.

Italienische Entlehnungen sind im österreichischen Sprachgebrauch häufiger anzutreffen.
Daher ist die italienische Herkunft einzelner Wörter in Österreich oft an der Schreibung erkennbar!
Ö: Aviso, detto, Kassa (aber: „Wiener Gebietskrankenkasse“), die Pasta etc.
D: das/der Avis, ditto, Kasse, die Paste etc.


Keine übertriebenen Eindeutschungen!
In Deutschland ist in einigen Fällen eine stärker eingedeutschte Schreibung (und Aussprache) üblich, während man sich in Österreich korrekter am Original orientiert.
Ö: das Praliné (Betonung auf der 3. Silbe, wie es richtig ist)
D: die Praline (Betonung auf der 2. Silbe, wie es die eingedeutschte Form fälschlicher Weise verlangt)

Weiter findet sich:
Ö: das Buffet (stummes t), die Sauce (französische Schreibung)
D: das Büfett (t wird ausgesprochen), die Soße (eingedeutschte Schreibung).

Auch die letzte Rechtschreibreform enthält übertriebene Eindeutschungen und trägt damit eine klassische, bundesdeutsche Handschrift.
Es besteht kein Grund und auch keine Verpflichtung, die extremen Eindeutschungen in Österreich nachzuahmen, denn selbst der neueste Rechtschreibduden lässt beide Varianten zu. Man kann also davon ausgehen, dass in Österreich die nicht eingedeutschten Formen immer dominieren werden, während die starken Eindeutschungen eher in Deutschland greifen.

Ö: mit Bravour, Charme, charmant, Csárdás, Delphin, Ghetto, Jogurth, Katarrh, khakifarben, Mayonaise, Nougat, Panther, Penthouse, Portemonnaie, rauh, Sketch, Vandale etc.
D: mit Bravur, Scharm, scharmant, Tschardasch, Delfin, Getto, Jogurt, Katarr, kakifarben, Majonäse, Nugat, Panter, Penthaus, Portmonee, rau, Sketsch, Wandale etc.

Die Beispiele in der österreichischen Rechtschreibung stehen für ein hohes Niveau an Respekt gegenüber anderen Sprachen. Zeugen also auch von einem in der Literatur traditionellerem Sprachgebrauch, einer sozusagen feineren Klinge, im Umgang mit eingegliederten Fremdwörtern aus anderen Sprach-Kulturen. Das ist ein Grund, weshalb das österreichische Deutsch auch auf ein wesentlich reicheres und differenzierteres Vokabular zurückblicken kann und somit auch in der Grammatik kompromissbereitere Lösungen parat hat. Hinzu wird es aufgrund des transparenteren Umganges mit Fremdwörtern, aus sprachwissenschaftlicher Sicht auch einfacher die wahre Herkunft dieser Wörter zu bestimmen.

Keine falschen Mehrzahl-S, die im Norden Deutschlands ihren Ursprung haben!
Also nicht wie in D: die Fräuleins, die Mädels, die Bengels
Sondern richtig wie in Ö: die Fräulein, die Mädel, die Bengel etc.

In Österreich wird auch kein falsches Mehrzahl-S als Kollektivbezeichnung für Mitglieder einer Familie akzeptiert.
D: die Schulzens, die Hämmerles
Ö: die Familie Schulz, das Ehepaar Hämmerle.

Das Präteritum (früher Imperfekt genannt) ist in Österreich und im ganzen Süden Deutschlands, als mündliche Erzählform ausgestorben, stattdessen wird im Perfekt erzählt!
Ö: „Ich bin in die Stadt gefahren und habe mir einen Mantel gekauft.“
D: „Ich fuhr in die Stadt und kaufte mir einen Mantel.“

Daneben kann man sich in vielen Fällen aber auch in der Schriftform entscheiden, ob man das Perfekt an Stelle des Präteritums verwendet, wobei die beiden Zeiten unterschiedliche Funktionen haben.
Das Präteritum signalisiert Distanz und Nüchternheit, das Perfekt bringt zum Ausdruck, dass der Schreibende an der Sache Anteil nimmt, dass ihm die Sache wichtig ist. Außerdem kommt noch hinzu, dass das Perfekt in Österreich als vertraute Erzählzeit empfunden wird, das Präteritum klingt gekünstelt (nach Art eines Polizeiberichts).

Eine Ausnahme sind die Präteritumformen der Hilfszeitwörter „sein“, „werden“, „können“ etc.
Die Formen „war“, „wurde“, „konnte“ etc. werden auch dann verwendet, wenn im Perfekt erzählt wird.
Es muss also nicht heißen D: „Es ist kalt gewesen.“
Die Formulierung Ö: „Es war kalt“, ist völlig ausreichend.

Hilfszeitwörter dienen auch dazu, Präteritumformen mit unserem Sprachgefühl in Einklang zu bringen.
Aus einem gekünstelt wirkenden: „Ich fasste es nicht“, wird somit ein als normal empfundenes: „Ich konnte es nicht fassen“.

Ereignisse der Vergangenheit können auch im Präsens geschildert werden.
„Um 15.30 Uhr setzt sich der Trauerzug in Bewegung. Tausende Menschen stürmen Richtung Sarg, schwenken Transparente, die palästinensischen Sicherheitskräfte geben Warnschüsse ab.“ – „Die Wiener Arbeiterkammer schlägt Alarm: Immer weniger Lehrstellen, immer mehr Jugendliche, die vergeblich einen Ausbildungsplatz suchen ... Was der Arbeiterkammer missfällt: Von Jahr zu Jahr sind weniger Betriebe bereit, Lehrlinge auszubilden.“

Kommentare und Glossen stehen vorwiegend im Präsens oder im Perfekt, nicht im Präteritum!
Damit wird unterstrichen, dass es sich um eine persönliche Meinung handelt. Es wird zum Ausdruck gebracht, dass das Thema dem betreffenden Journalisten wichtig ist, dass die Aussage von Gültigkeit und von Dauer ist. Außerdem verbessert sich die Lesbarkeit des Textes.

Vorsicht bei Präpositionen!
In einigen Fällen werden in Österreich andere Präpositionen verwendet als in Deutschland.
Ö: „Ich kaufe ein Handy um 0 Euro!“ / „Ich abonniere die Zeitschrift um 30 Euro.“ / „Er geht schon in die Schule.“
D: „Ich kaufe ein Handy für 0 Euro.“ / „Ich abonniere die Zeitschrift für 30 Euro.“ / „Er geht schon zur Schule.“

Beide Versionen werden im allgemeinen als Richtig empfunden und in Österreich auch angewendet (einmal so und auch so).

Ebenfalls sind bestimmte, als unumstößliche Präpositionen titulierte Worte im bundesdeutsch geprägten Duden (oft solche mit einer „e-Endung“) vor etwaigen begleitenden Possesivpronomen (zugehörigkeits-Pronomen), in der österreichischen Grammatik nicht immer zwingend demselben Fall verpflichtet, wie sie in der vereinfachten, deutschen Duden Grammatik erst vor in etwa dreißig Jahren verankert wurden.
So einfach macht es sich die österreichische Grammatik hier nicht.

Grammatikalische Unterschiede in der Formenlehre!
Österreich unterscheidet konsequent die erzählende Form literarischer Textarten, von der öffentlich medialen bzw. amtlichen Form.
Solch eine Situation tritt in Verbindung mit bestimmten Präpositionen deutlich auf.
In Österreich ist es absolut korrekt, in Satzrelevanten Sonderfällen der literarisch erzählenden Sprache, die Deklination von begleitenden Possesivpronomen in der dritten Person, im zweiten Fall (Genitiv) und häufiger bei Feminina als Maskulina anzutreffen, anstatt vierten Fall (Akkusativ) vorzunehmen. Unabhängig von der Duden-fixierten Präposition eines Wortes mit der üblichen „e-Endung“.
In veröffentlichten, erzählenden-Texten österreichischer Verlage, findet man in der dritten Person daher auch öfter Genitiv, als Akkusativ Deklinationen, nach etwaigen Präpositionen mit einem „Endungs-e“ vor.
Ö: Sie ging ohne ihrer Mutter/Schwester/aber; ohne ihre Cousine/Katze fort.
D: Sie ging ohne ihre Mutter/Cousine/Schwester/Katze fort.

Wie hier gezeigt, genießt in der österreichischen Grammatik, insbesondere in der erzählenden Literatur, öfter die „Endung“ eines Subjekts, auf solches sich ein Possesivpronomen bezieht, den höheren Stellenwert, als die vorangegangene Präposition.
Aufgrund der bundesdeutschen Fall-fixierten Präpostitions-Grammatik, müsste man in Deutschland aus demselben Satz ein;
Sie ging bar ihrer Mutter. / Sie ging manlgels ihrer Schwester/Cusine/Katze; machen, um ein genitiviertes Possesivpronomen anwenden zu dürfen. (Natürlich ist es nicht üblich einen Satz so umzuformulieren. Wäre laut deutscher Duden-Grammatik allerdings richtig.)

In der österreichischen Grammatik wird beides als Richtig empfunden. Allerdings in der erzählenden Literatur mehrheitlich mit einer wesentlich höheren Tendenz auf eine einheitlichere Deklination zum Subjekt hin reagiert.
„Ohne ihrer Mutter/ Schwester…“, statt „Ohne ihre Mutter/Schwester …“.
So auch häufiger vertreten „Ohne der Mutter/Schwester/aber „ohne die Cousine/die Katze“ (anstatt „Ohne die Mutter/Schwester/Cousine/Katze…“).
Selbst Duden wagt es nicht, diesen kleinen feinen Unterschied der erzählenden, österreichischen Grammatik, im Vergleich zur deutschen, als eindeutig „falsch“ zu definieren. Würde es aber gerne tun.
In deutschen Schulen wird freilich die ausschließlich bundesdeutsch geprägte Duden-Grammatik gelehrt, während in Österreich beide Formen gelehrt, aber je nach Textart differenzierter verwendet und angepasst werden.
In Ö so auch oft: „Jemand anderer.“
In D immer: „Jemand anderes.“

Diese Widersprüchlichkeit ist auf eine lange, geschichtliche sowie literarische Tradition des adeligen Dialektes in Österreich, noch aus der Zeit der Habsburger Monarchen zurückzuführen. Lange Zeit galt dies auch gar nicht als Widerspruch, sondern „Wahlmöglichkeit“. Erst vor circa dreißig Jahren verschwand diese Wahlmöglichkeit aus dem deutschen Duden, indessen dieselbe in Österreich bis heute konsequent und auch als gültig aufrechterhalten wird. Tritt allerdings zumeist in der weiblichen, nicht so oft in der männlichen Form auf.

Während diese Deklinationsform im deutschen Duden also fälschlicher Weise als „grammatischer Irrtum bzw. Zweifel“ behandelt wird, ist dieselbe Deklinationsform in Österreich, immer noch von höchster Relevanz.
Anders verhält es sich im Falle der „Ersatz-Possesivpronomen“.
Hier stimmen die grammatikalischen Regelungen in Verbindung mit Präpositionen in Österreich und Deutschland wieder überein.
Und auch auf die berühmte Frage: „ … ohne mich?“ oder „ … ohne mir?“, gibt es sowohl in Österreich, als auch deutschlandweit nur eine richtige Antwort.
Immer also: … ohne mich.

Das Wort „vergessen“ kann in Österreich zusammen mit „auf“ verwendet werden, in Deutschland steht aber auch hier immer der Akkusativ.
Ö: Er war so in seine Arbeit vertieft, dass er aufs Essen vergessen hat. – Haben denn alle auf mich vergessen?
D: Er war so in seine Arbeit vertieft, dass er das Essen vergessen hat. – Haben mich denn alle vergessen?
Im österreichischen Deutsch sind auch subtilere Unterscheidungen möglich:
„Ich habe meinen Schirm vergessen!“ (= Ich habe ihn stehen lassen!) – „Ich habe auf meinen Schirm vergessen!“ (= Ich habe nicht daran gedacht, ihn mitzunehmen!)

Ö: Er hat die Arbeit hingehaut (findet inzwischen eher in umgangssprachlicher Relevanz Anwendung, da dieser Ausdruck auch ausschließlich aus einem umgangssprachlichen Milieu stammt. Daher taucht dieser heute nahezu ausschließlich nur in Werken auf, die auch in Dialekt-Art geschrieben werden.)
D: Er hat die Arbeit hingehauen.
Ö: Ich habe es kommen gesehen / Wir haben ihn singen gehört / jemanden kündigen / zu zweit, zu dritt / der Siebente etc.
D: Ich habe es kommen sehen / Wir haben ihn singen hören / jemandem kündigen / zu zweien, zu dreien/ der Siebte.

Keine Angst vor dem Fugen-s!
Ö: Schweinsbraten, Rindsbraten, Fabriksarbeiter(in), Fabrikshalle, fabriksneu, Spitalsabteilung, Spitalsarzt, Gelenksentzündung, Gelenkschirurgie, Bestandsaufnahme, Bestandsgarantie, Überfallskommando etc.
D: Schweinebraten, Rinderbraten, Fabrikarbeiter(in), Fabrikhalle, fabrikneu, Spitalabteilung, Spitalarzt, Gelenkentzündung, Gelenkchirurgie, Bestandaufnahme, Bestandgarantie, Überfallkommando.

Schwankend ist die Schreibweise bei Wörtern wie „Einkommen(s)steuer“, „Vermögen(s)steuer“, „Versicherung(s)steuer“ etc.
Hier ist die Situation in Österreich ähnlich wie in Deutschland. Der Gesetzgeber verwendet eher die Formen ohne Fugen-S. In den Medien und in der Alltagskommunikation sind allerdings auch die Formen mit Fugen-S anzutreffen.

Aber Achtung, es gibt Ausnahmen!
Ö: Adventkalender, Tabakbeutel, Tabakdose
D: Adventskalender, Tabaksbeutel, Tabaksdose
Tatsächlich ist auch hier, hinsichtlich Herkunft und Geschichte, die österreichische Schreibung eine authentisch korrektere, als die deutsche Form und hinzu auch ästhetischer im Ausdruck, was der bundesdeutsch geprägte Duden allerdings hartnäckig ignoriert, wenngleich beide Schreibweisen längst freigegeben sind.

Auch Namenstage von Heiligen nicht mit Fugen-S, sondern mit lateinischem Genitiv-i, beinhalten dieses Phänomen:
Ö: Stefanitag, Florianiprinzip, Martinigansl etc.
D: Stephanstag, Floriansprinzip, Martinsgans etc.

Monatsnamen:
Der erste Monat des Jahres heißt in Österreich „Jänner“, in Deutschland „Januar“.
Der zweite Monat wird auch in Österreich mehrheitlich als „Februar“ bezeichnet,
„Feber“ hat sich nicht durchgesetzt.

Wo der Rechtschreibduden und das Österreichische Wörterbuch nicht einer Meinung sind!
1. Der Duden führt z.B. „sodass“ als Hauptform und „so dass“ als Nebenform an, das österreichische Wörterbuch hält es damit umgekehrt.
Es empfiehlt sich, die vom österreichischen Wörterbuch vorgeschlagene Getrenntschreibung „so dass“ anzuwenden, weil sie fehlervermeidend ist.
2. Der Duden vertritt die Meinung, dass bei der Schreibung von „einmal“ oder „ein Mal“ die Betonung entscheidet:
Erstbetonung; „einmal“, Endbetonung; „ein Mal“.
Das Österreichische Wörterbuch kennt diese Regel nicht. Es erscheint sinnvoll, so wie das österreichische Wörterbuch die Schreibweise freizugeben.
3. Der Duden meint bei "so wie" liegt die Sache ähnlich wie bei "ein Mal", vertritt allerdings die Ansicht, dieses Wortduo sei immer nur nach einem Beistrich (Komma) anzuwenden und die zusammengeschriebene Variante zu vermeiden. Eine Verallgemeinerung im Gebrauch, die Duden nicht durchsetzen konnte.
Österreich vertritt dazu eine differenziertere Ansicht. In Österreich findet sich daher die Schreibung "sowie" und "so wie" gleichermaßen vertreten. Der Unterschied liegt hier in der zu verstärkenden Betonung. Bei einem "so wie" nach einem Beistrich (Komma) liegt die Betonung auf der zweiten Silbe, was eine Verstärkung auf ein nachfolgendes Subjekt zur Folge hat. Nur "sowie" hingegen, verlangt keinen Beistrich (kein Komma), sondern dient auch als Synonym für "und". Es wird allgemein empfohlen, sich auch hier eher an der österreichischen Schreibung und Form zu orientieren, so sie weniger missverständlich ist.  

Es gibt mehr Zeiten, als der Duden wahrhaben will!
Z. B. das Doppelte Perfekt.
In Deutschland ist in der Umgangssprache das Doppelte Perfekt sehr beliebt.
„Ich habe es vergessen gehabt.“ „Ich bin eingeschlafen gewesen.“
Aus literarischer Sicht in Österreich, gilt dies als „erzähltechnischer“ Stilbruch und sollte daher so selten wie möglich eingesetzt werden.
Indessen stolpert man in Deutschland sowohl in der Umgangssprache, als auch in der Schreibsprache wesentlich öfter darüber.
Daneben gibt es aber auch noch ein Doppeltes Plusquamperfekt:
„Ich hatte es vergessen gehabt.“ „Ich war eingeschlafen gewesen.“
Auch diese Zeitform ist in Deutschland wesentlich öfter in Betrieb.

Oft werden diese Zeiten sogar im Konjunktiv gebraucht:
„Gut, dass du mich gestern erinnert hast – ich hätte es vergessen gehabt.“

Der Duden beschreibt das Tempussystem der deutschen Sprache mit sechs Begriffen: Präsens, Präteritum (früher Imperfekt oder Mitvergangenheit), Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II (früher Futur exakt).

Dieses System ist vom Lateinischen abgekupfert. Allerdings kann mit dem lateinischen Zeitensystem unser heutiger Sprachgebrauch nur lückenhaft beschrieben werden. Schaut man genau hin, so bemerkt man, dass es im deutschen Deutsch mehr als sechs Tempora gibt, die sich in folgende Kategorien gliedern lassen.

Präsenszeiten:
Dazu gehören das Präsens (ich vergesse es), das Perfekt (ich habe es vergessen) und das doppelte Perfekt (ich habe es vergessen gehabt).

Präteritumzeiten:
Dazu gehören das Präteritum (ich vergaß es), das Plusquamperfekt (ich hatte es vergessen) und das doppelte Plusquamperfekt (ich hatte es vergessen gehabt).

Die Futurzeiten:
Dazu gehören das Futur I (ich werde es vergessen), das Futur II (ich werde es vergessen haben) und das Futur III (ich werde es vergessen gehabt haben).
Hinzuzählen könnte man noch Konditionalis I (ich würde es vergessen), Konditionalis II (ich würde es vergessen haben) und Konditionalis III (ich würde es vergessen gehabt haben).

Die beiden Tempusformen Präteritum (ich vergaß es) und Perfekt (ich habe es vergessen) haben eine Gemeinsamkeit:
Sie werden verwendet, um Handlungen oder Ereignisse zu schildern, die in der Vergangenheit passiert sind.
Daneben gibt es aber auch einige ganz gravierende Unterschiede im Gebrauch:
Das Präteritum dient als Erzählzeit in Romanen, in Märchenbüchern, in Zeitungsberichten. Es signalisiert eine Distanz des Erzählers zum Erzählten. Oft wird es für eine Abfolge von Ereignissen verwendet, die schon weiter zurückliegen.
Das Perfekt wird dann verwendet, wenn das Ergebnis der vergangenen Handlung auch noch in der Gegenwart von Bedeutung ist:
„Schau, es hat geschneit!“
„Hat er es getan oder hat er es nicht getan?“
„Grillparzer hat bedeutende Dramen geschrieben!“ etc.
Es signalisiert die persönliche Involvierung des Erzählers mit dem Erzählten.
Somit dient das Perfekt als Erzählzeit in persöhnlich gehaltenen Briefen, in Leitartikeln und Glossen der Tageszeitungen, aber auch in Romanen, die im Ductus der Alltagskommunikation geschrieben sind. Oft wird das Perfekt auch dann verwendet, wenn etwas gerade passiert ist. Der erste Satz eines Berichts in einer Zeitung steht meist im Perfekt, dann wird ins Präteritum gewechselt.
Zur Zeit werden auch im Norden des deutschen Sprachraums die Präsenszeiten immer häufiger verwendet, der Gebrauch der Präteritumzeiten geht zurück.
Dies hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die Präteritumzeiten so gekünstelt, so kalt wirken.
Wer über ein Ereignis der Vergangenheit berichtet, der will doch wohl den Eindruck erwecken, dass dieses Ereignis auch weiterhin von Bedeutung ist!
Wer will, dass man ihm zuhört, der wird im Perfekt und nicht im Präteritum erzählen!
Außerdem kann das Präteritum meist mühelos durch das Perfekt ersetzt werden, umgekehrt jedoch nicht:
„Er kränkt sich, weil sie ihn nicht eingeladen haben.“
Hier kann das Perfekt („eingeladen haben“) nicht durch das Präteritum („einluden“) ersetzt werden.
Es wäre schlicht falsch zu sagen:
„Er kränkt sich, weil sie ihn nicht einluden.“
Auch der Satz:
„Tat er es oder tat er es nicht?“ ist falsch.
Richtig muss es heißen:
„Hat er es getan oder hat er es nicht getan?“
Denn aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass die Handlung der Vergangenheit in der Gegenwart von Bedeutung ist.

Bastian Sick bezeichnet das Doppelte Perfekt in einer Zwiebelfisch-Kolumne als, Ultra-Perfekt“ (in dem Buch „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ ist die Kolumne auf den Seiten 179 bis 182 abgedruckt).
Schon der Name „Ultra-Perfekt“ zeugt vom Unverständnis für diese Zeitform. Bastian Sick (dessen Ansichten leider auch maßgeblichen Einfluss auf die deutsche Duden Syntax ausübte) ist außerdem der irrtümlichen Auffassung, dass sich diese Zeit zwischen Perfekt und Plusquamperfekt eingenistet hat.
Er glaubt, dass es sich um eine Art Verstärkung des Perfekts handelt.
„Erst das Ultra-Perfekt macht das Perfekt wirklich perfekt.“
Die von ihm präsentierte Entstehungsgeschichte, ist sogar noch skurriler.
Sebastian Sick meint, das Doppelte Perfekt wäre von Hausfrauen aus dem eher österreichischen Raum erfunden worden. Er prägt daher den Begriff „Hausfrauenperfekt“ und nennt Beispiele wie:
„Unterhosen hab ich schon im Katalog bestellt gehabt“ /„Dass ich weniger Süßes essen soll, haben die mir im Krankenhaus ja nicht gesagt gehabt“.

Die Kinder dieser Hausfrauen hätten die Zeitform übernommen und über das Internet verbreitet. Dadurch hätte das Doppelte Perfekt, die Schwelle vom gesprochenen Deutsch zum geschriebenen Deutsch überschritten.
In der Tat ist das Doppelte Perfekt aber deshalb entstanden, weil im Norden Deutschlands, in der Alltagskommunikation immer im Perfekt erzählt wird.
Um Vorzeitigkeit auszudrücken, ist eine neue Zeit entstanden, das Doppelte Perfekt: „Gestern bin ich in den Supermarkt gegangen, um eine Seife für meine Mutter zu kaufen. Als ich im Geschäft war, habe ich vergessen gehabt, was ich eigentlich besorgen wollte. Erst bei der Kasse ist es mir wieder eingefallen.“

Das Doppelte Perfekt ist also definitiv keine Erfindung unserer Zeit und hat seine Wurzeln schon gar nicht im österreichischen Raum. Genauso wenig wie das Doppelte Plusquamperfekt. Diese Tempora finden sich in zahlreichen Grammatiken, beginnend mit dem 17. Jahrhundert. Zitate kann man auch bei berühmten Schriftstellern aufspüren, die nicht aus dem österreichischen oder süddeutschen Sprachraum stammen: von Goethe bis Grass. Aber die muss man ja nicht gelesen haben.

Zum besseren Verständnis, hier noch ein paar Interessante Zusatzinformationen zur deutschen Sprache, im österreichischen Sprachgebrauch!
Österreichisches Deutsch, gleichbedeutend mit österreichischem Hochdeutsch und österreichischem Standarddeutsch, bezeichnet die in Österreich gebräuchliche Varietät der neuhochdeutschen Standardsprache.
Diese löste in Österreich spätestens ab 1774 mit der Einführung der Unterrichtspflicht und in einem weiteren Schritt ab 1780, mit der Einführung der neuen Beamtensprache, die zuvor gebräuchliche oberdeutsche Schreibsprache ab. Und zwar nach dem Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II., sich aus politisch pragmatischen Gründen, gegen eine bairisch- und alemannisch geprägte, oberdeutsche Schreibsprache entschieden hatten.
Dies geschah insbesondere auf Betreiben des österreichisch-mährischen Schriftstellers Joseph von Sonnenfels.
Dabei ging man eher pragmatisch als puristisch vor, wodurch österreichische Besonderheiten weiterhin erhalten geblieben und Teil des Standards geworden sind.

Das österreichische Deutsch verfügt über einen spezifischen Wortschatz, spezifische Redensarten und Besonderheiten in der Grammatik, Aussprache (sowohl Phonologie als auch Intonation) sowie Rechtschreibung (soweit dies die Reform von 1996 zulässt), und ist auch statistisch durch das Fehlen bestimmter Elemente, der außerhalb von Österreich verwendeten deutschen Sprache charakterisiert.
Deshalb ist das österreichische Standarddeutsch, von der Umgangssprache und den, auch in Österreich gebräuchlichen, bairischen und alemannischen Dialekten abzugrenzen. Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache, als auch Grammatik, entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten. Viele andere wurden sogar nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt.
Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe, so wie weitere grammatikalische Besonderheiten, gehen auf das österreichische Amts- bzw. Adelsdeutsch im Habsburgerreich (nach 1804: Kaisertum Österreich; nach 1867: Doppelmonarchie Österreich-Ungarn) zurück.
Die Ursprünge dessen, hat Joseph von Sonnenfels ab dem Jahre 1784 maßgeblich mit geprägt.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes, den kulinarischen Bereich.
23 dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingen kann, hier fremde deutschsprachige oder oftmals auch einfach nur falsch eingedeutschte Begriffe zu übernehmen oder anzuwenden, wie sie mittlerweile im bundesdeutsch geprägten Duden mehrfach auftreten.
So verhält sich das auch mit vielerlei grammatikalischen Regelungen aus dem Bundesdeutschen.
Österreich hat jene Regelungen zwar mit aufgenommen, darf aber sprachgebräuchlich nicht dazu verpflichtet werden, deshalb auf seine eigenen sprachlich traditionelleren, als oftmals sogar korrekteren und differenzierteren grammatikalischen Lösungen zu verzichten. Weder im redaktionellen, journalistischem oder verlagsspezifisch-herausgebendem Bereich, noch im Sinne des abgedruckten Wortes.
Daher werden in Österreich auch immer beide Formen gelehrt, dabei aber, die erzählende Form literarischer Textarten, konsequent von der öffentlich medialen bzw. amtlichen Form unterschieden. 

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber – abgesehen von den oben angesprochenen Einflüssen – keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache (ausgenommen Mundartdichter, Musiker).
Am österreichischen Deutsch zeigt sich die plurizentrische Eigenschaft der deutschen Sprache. Ein typisches Merkmal kommunikationsreicher Sprachen, die über Staatsgrenzen hinaus verbreitet sind. Auch gibt es zur Plurizentrik im österreichischen Deutsch, einen laufenden Entwicklungs- und Diskussionsprozess in der Germanistik, um die Besonderheiten dieser weiterhin, speziell in der schönen Literatur zu verfeinern und vom allgemeinen Bundesdeutschen abzugrenzen.
Der Begriff  „österreichisches Deutsch“ ist nicht unumstritten, wird aber von der Mehrzahl führender Sprachwissenschafter, mittlerweile als autonome, deutsche Sprachform angesehen.
Eine aktuelle sprachwissenschaftliche Übersicht des deutschen Linguisten Jan-Hendrik Leerkamp stellte 2003 fest:
„In der Forschung ist die Existenz einer eigenständigen, nationalen Varietät des österreichischen Deutsch, weitestgehend und auch international anerkannt.“

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