18 Wolfsbehütet, Leseprobe

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240817

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18 Wolfsbehütet, Leseprobe





Eva von Kalm
Wolfsbehütet

Es war einmal ein kleines Mädchen namens Josephine, das abends oft alleine am verglühenden Feuer des Kamines saß. Tief in Gedanken versunken, starrte das Mädchen auch an diesem Wintertag, wieder einmal in die sterbenden Flammen. Morgen war Heiligabend, doch ihre Eltern waren, wie so oft, nicht zuhause. 
Dabei wünschte sich Josephine nichts sehnlicher, als das sie mit ihnen einfach mal wieder hier zusammensitzen könnte, um gemeinsam das Feuer im Kamin zu betrachten, und dazu vielleicht eine kleine Weihnachtsgeschichte zu lesen. 
Ganz so wie Früher. 
Doch ihre Eltern hatten nie Zeit, immer waren sie am Arbeiten. So saß sie auch heute zu Hause am Kamin und stellte sich vor, wie schön es doch wäre, hätte sie zumindest Geschwister, eben eine richtige Familie.
Langsam erloschen die Flammen. 
Josephine lehnte sich an die Kaminwand und schloss ihre Augen. Da hörte sie draußen plötzlich das zärtliche Klingeln feiner Glöckchen.  
Sie stand auf, ging zur Tür und öffnete sie. 
Zu ihrer Verwunderung, war die Straße schneebedeckt, sehr ungewöhnlich für diese Gegend. Sie spähte die Straße hinab. Da erkannte sie in der Ferne zwei Pferde, die einen Schlitten zogen. Darauf saß, in einen dicken Mantel gehüllt, ein kräftiger alter Mann mit krummen Rücken und einem langen grauen Bart. 
Vor Josephines Tür hielt er an, stieg ab und reichte ihr die Hand. Josephine ergriff diese und ließ sich ohne Zögern von ihm auf den Schlitten helfen, denn sie fürchtete sich nicht. 
Auch sie hüllte er nun sorgfältig in einen warmen Mantel, ehe sie losfuhren.
Sachte glitt der Schlitten die Straße entlang, bis sie unvermutet auf eine andere und kurz danach, auf eine weitere Straße abbogen. So ging das eine Zeitlang dahin, bis Josephine vollends den Überblick verlor. 
All diese Straßen waren gleich breit, schneebedeckt und ihr völlig fremd. Und entlang der Strecke säumte auch bald kein einziges Haus mehr den Straßenrand. Dennoch fragte Josephine nicht, wohin die Reise gehen würde, sondern saß nur mit großen Augen schweigend da. 
Die dunklen Locken fielen ihr auf die Schultern und umrahmten ihr Gesicht. Eine dicke, fellgefütterte Kapuze wärmte ihr Haupt und ihre Hände steckten inzwischen in dicken Handschuhen. 
Doch es wurde immer kälter und so fror sie, trotz dieser guten, warmen Sachen. Dann aber sah sie in weiter Ferne ein glitzerndes Schloss auftauchen. 
Aus weißem Marmor erbaut, ragte es geheimnisvoll aus der Schneelandschaft empor und erstrahlte im hellen Mondschein. 
Der Schlitten hielt geradewegs darauf zu und kam schließlich direkt davor zum Stehen. Schweigend half der alte Mann Josephine auch wieder vom Schlitten herunter. Zwei schneeweiße Wölfe traten aus einer großen Pforte, die sich wie von Zauberhand öffnete. Sie kamen heran und begrüßten den alten Mann.
Schließlich, flankierte einer der Wölfe ihre rechte und der andere ihre linke Seite, während sie gemeinsam das Schloss betraten. Instinktiv ließ Josephine ihre kalten Finger durch den warmen Pelz der Wölfe gleiten. 
Drinnen wandte sich der alte Mann zu ihr um, sprach jedoch in einer fremden, aber doch wohlklingenden Sprache zu den Wölfen. Diese schienen zu verstehen, wedelten mit ihren Schwänzen und wandten sich nun Josephine zu. 
Kurz darauf folgte sie ihnen hinaus, in einen Flur, auf dem ein warmer Teppich lag. Da zog sie ihre Schuhe aus und schritt barfuß über den flauschigen Teppich, ehe sie die Wölfe zu einer langen Treppe lotsten, die in einen Turm hinauf führte. Und als wäre auch das ganz normal, stieg sie diese – ebenfalls von einem Teppich bedeckt – völlig bedenkenlos hinauf. Oben angelangt führten die Wölfe sie weiter zu einer Tür. Sie öffnete sie und trat in ein heimeliges rundes Zimmer. Fast, wie bei ihr zuhause, hatte auch dieses einen Kamin, indem ein angenehmes Feuer prasselte. Und ein großes, weiches Bett. 
Inzwischen fühlte sich Josephine auch sehr müde. Also zog sie sich aus, legte sich hinein und glitt in einen friedlichen Schlaf, während die weißen Wölfe über sie und ihre Träume wachten.
In einem solchen Traum, erwachte sie bald und ging durch das Schloss. Sie stieg die langen Treppen wieder hinab, und immer waren auch die zwei Wölfe an ihrer Seite. Aber diesmal schwieg sie nicht, sondern unterhielt sich mit den beiden in dieser seltsamen melodischen Sprache. 
Sie erzählte ihnen von ihren Eltern, die nie Zeit für sie hatten, und wie alleine sie sich deshalb oft fühlte. Sie erzählte ihnen, wie sehr sie ein richtiges Weihnachtsfest vermisste. Eines, an dem sie alle wieder einmal beisammensaßen, sich Geschichten erzählten, und einfach lieb haben würden.
Die Wölfe führten sie weiter in einen großen Raum.

- Leseprobe Ende -







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