21 Wer sind Mr. & Ms. Warum, Leseprobe

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240817

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21 Wer sind Mr. & Ms. Warum, Leseprobe





Evelucas
Wer sind Mr. & Ms. Warum?
Mal fragen kann nicht schaden, oder doch?...

»Warum ist der Himmel blau?«, fragte er.
»Warum willst du das wissen?«, fragte sie und begann den Boden zu schrubben.
Ich musste lachen, denn beides konnte auch ich nicht zur vollen Zufriedenheit der Beiden beantworten. Obschon mir durchaus bewusst war, dass dieses Blau am Himmel, die Lichtreflexion der Sonne, auf der Atmosphäre unserer Erde ist, die wiederum aus mehreren Schichten besteht. Das konnten die Menschen damals aber noch nicht wissen. Gerne hätte ich ihnen das jetzt mitgeteilt, aber das ging natürlich nicht.
»Warum bin ich überhaupt überzeugt davon, dass der Himmel blau ist?«, fragte Mr. Warum da wieder.
»Warum stellst du solche Fragen, wäre es dir lieber er sei glühend rot?«, entgegnete Ms. Warum jetzt entnervt.
Hm, dachte ich da bei mir. Denn genauso sah der Himmel doch auch manchmal aus. Das hätten die aber schon wissen müssen, wenngleich sie nicht hätten erklären können, warum das so ist. 
Also eben weil unsere Atmosphäre das Licht der Sonne in ganz unterschiedlichen Farben reflektiert. Abhängig von der Tageszeit, dem Ort, von wo aus der Himmel gerade betrachtet wird und der Art des vorhandenen Farbverständnisses, dass wir in uns tragen. 
Andererseits ist es auch gerade dieses Farbverständnis, das es ohne Mensch nicht gäbe. 
Denn man musste uns zuerst mal beibringen, dass Blau, Rot, Gelb, Grün – also alle uns bekannten Farben, die wir wahrzunehmen vermögen – auch blau, rot, gelb, grün bedeutet. 
Sogar die Definition dessen, als Farben, wurde uns nur beigebracht. Für andere Lebewesen ist das nicht wichtig. So bleibt natürlich stets die Frage offen, was ich als Mensch überhaupt wissen kann? Im Grunde kann ich somit nur aussagen, wie ich gewisse Dinge, auch bestimmte Farben, wahrzunehmen fähig bin. Ob sie aber wirklich so sind, wie ich sie wahrnehme, oder diese von anderen Lebewesen genauso wahrgenommen werden, bleibt weiterhin ein Rätsel.
»Warum denkst du überhaupt nach?«, wollte Ms. Warum plötzlich wissen. »Das nervt«, fügte sie hinzu und schrubbte den Boden weiter.
»Warum nicht?«, konterte Mr. Warum. »Das tust du doch auch. Weshalb sonst solltest du mich danach fragen?«
Ha, dachte ich erfreut. Darauf kenne ich die Antwort. 
Der Mensch will verstehen wie die Welt über, unter, links und rechts von ihm, samt seiner Mitmenschen und all den anderen Geschöpfen um ihn herum funktioniert. Denken ist das, speziell auf unsere Lebensform abgestimmte und funktionstüchtigste Werkzeug, um diese Welt überhaupt auf irgendeine Weise wahrnehmen zu können. Nur dadurch sind wir auch im Stande, uns an spezifische Gegebenheiten anzupassen. Ohne Denken, keine Fragen, keine Antworten – kein Geist, kein Verstehen, kein lebender Mensch.
Oh ähm, einen Moment mal ...
»Warum ist der Mensch überhaupt wichtig?«, murmelte Mr. Warum da.
Ms. Warum schnaubte wütend. 
»Warum sollte es überhaupt von Bedeutung sein, dass auf der Welt irgendetwas denkt oder lebt, wie du?, kam die entnervte Gegenfrage, während es langsam so aussah, als würde sie den Boden nicht mehr schrubben, sondern mit dem Schrubber regelrecht ausradieren wollen.
Doch zumindest bekam sie jetzt mehr Aufmerksamkeit von ihrem Mann. Diese Frage schien ihn aufzuwühlen. 
Erst als er ihr daraufhin beim Schrubben zusah, während sie sich mit verbissenen Lippen in diese Tätigkeit geradezu hineinsteigerte, verlor er sein Interesse wieder. Ihre Frage allerdings, stand immer noch unbeantwortet im Raum und ließ ihn nicht mehr los.
Du liebe Zeit!, dachte ich bei mir. Einen Warum-Sinn für den denkenden Menschen selbst zu definieren, war aber eine harte Nuss. Wer behauptete denn, dass eine Welt ohne denkenden Menschen, eine schlechtere wäre? Denn wo kein Mensch oder etwas anderes bewusst Denkendes ist, gäbe es auch nichts, was sich über etwas Schlechtes oder Gutes Gedanken machen, beschweren oder freuen würde. Da wäre einfach nichts mehr, was Gedanken über Schlechtes oder Gutes festlegen könnte. Ein hässlicher Stein, wäre ohne Wertung meinerseits oder jemanden sonst, einfach nur ein Stein. Weder gut noch schlecht, weder schön noch hässlich. Ja, vermutlich wäre er noch nicht einmal ein Stein, sondern gar nichts scheinbar Erkennbares, denn es gäbe nichts Sinn-Bewusstes mehr, das diesem WAS, irgendeine Bedeutung zugestehen könnte. Also bliebe der Stein einfach bedeutungslos. Nichts wäre von Bedeutung, ohne menschlichem Geist, für den Bedeutung an sich erst bedeutsam ist.
Scheinbar kam auch Mr. Warum zu diesem Schluss. Dummerweise hatte er aber kein glückliches Händchen dafür, diese Gedanken auch seiner Frau gegenüber einfühlsam auszudrücken.
»Warum genau schrubbst du also den Boden? Das wäre ohne bewusstem Element, das in diese Tätigkeit Bedeutsames hineinzudenken fähig ist, doch dann auch bedeutungslos«.
Ms. Warum hielt abrupt inne. Langsam richtete sie sich auf, wandte sich ihrem Mann zu und lächelte, jedoch zähnefletschend. Ähnlich einer wütenden Wölfin.
Und wäre Mr. Warum nicht gerade so derart in seine rätselhaften Fragen und Gedanken verstrickt gewesen, hätte auch er diesen wilden Glanz der Furie, in den Augen seiner eigenen Frau erspäht. Das wiederum, hätte ihn auch davor gewarnt, was gleich danach folgte.

- Leseprobe Ende -







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