05 Weihnachten wie Damals, Leseprobe

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240817

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05 Weihnachten wie Damals, Leseprobe




von A.C. Greeley
Weihnachten wie Damals

Das kalte Licht flackerte und zauberte schattenhafte Figuren auf die kahlen, grauen Wände.
»Die Stromversorgung scheint wieder ein bisschen gestört, Lindy. Bitte schau einmal nach, ob die Hauptstromschalter abgedreht sind.« Die brüchige Stimme klang müde, dennoch lag noch ein wenig Leben darin.
»Ja, Urgroßvater, ich schau schon. Mach dir keine Sorgen. Wir haben auch noch Wachslichter, falls unser Stromnetz wieder zusammenbricht« Eine schlanke Frau etwa Ende dreißig erhob sich und verließ den grauen Raum.
Der alte Mann nickte leicht. 
»Achja, Wachslichter sagt ihr ja dazu. Wir nannten sowas damals Kerzen.« Seufzend lehnte er sich zurück, während längst vergessene Bilder von Tannenbäumen, Schneeflocken und liebevoll gestaltete Weihnachtsbäckereien vor seinem geistigen Auge entstanden. Es musste ungefähr um diese Zeit im Jahr herum gewesen sein.
»Ja, das war herrlich, Weihnachten mit der ganzen Familie.« Doch das war schon sehr sehr lange her ... Nur schemenhafte Erinnerungen an diese schöne Zeit waren noch vorhanden. Damals, vor fast hundert Jahren, als er noch Weihnachten erleben durfte.
Ein leichtes Knarzen erklang in seiner Nähe als sich sein Urenkel Kenneth, ein kleiner stämmiger Junge, von seinem Platz am Tisch erhob. 
Zaghaft trat er an den alten Lehnstuhl, in dem die gebeugte Gestalt seines Urgroßvaters saß. 
»Schau mal, ich hab ein Buch gefunden. Ich hab da was gelesen von Schnee und Weihnachten.« Schüchtern hielt er dem alten Mann ein zerfleddertes Buch hin. 
»Und du hast gerade etwas von Weihnachten gesagt. Was ist das, Urliopa?« 
Verwundert blinzelte der Angesprochene, als er dem Jungen das uralte Zeugnis einer fröhlicheren, längst vergangenen Zeit vorsichtig aus den Fingern nahm.
»Ein Buch. Sieh mal einer an« Ein sachtes Leuchten, einer weichen Kerzenflamme gleich, erschien in den von zahlreichen Falten umrahmten Augen. 
»Na so was. Woher hat Mama denn das?« Andächtig fuhr er über das ehemals feste Cover, zog sanft die nur mehr matten, verblichenen Reste eingravierter, goldener Buchstaben nach, ehe er vorsichtig das Buch aufblätterte. Die Seiten waren teilweise eingerissen und einige fehlten komplett. Leise Wehmut schlich sich in sein Herz. Es war schon viele Jahre her, das er zuletzt so etwas gesehen hatte.
»Ich habe das in der alten Kiste gefunden. Ähm, die ... na, du, äh, du weißt schon, die verbotene Kiste«, wisperte er.
Der kleine Junge klang schuldbewusst, doch der alte Mann lächelte sachte. 
Die verbotene Kiste also. Jaja ...
»Aber Mama hat das hier vorher da raus genommen. Schau mal.« Kenneth hielt dem alten Mann etwas silbrig Glitzerndes hin. Es war klein und hatte mehrere Zacken. Ein seltsames Ding, doch irgendwie gefiel es ihm.
»Das ist ein Weihnachtsstern, mein Junge. Wie die Sterne am Himmel, die in der Ferne leuchten.« Ein sehnsuchtsvolles Leuchten in den Augen des alten Mannes machte Kenneth neugierig.
»Was ist das, ein Stern, der in der Ferne leuchtet?« Aus großen Augen starrte der Junge den alten Mann an.
»Oh, das kennst du ja auch nicht.« Urliopa streckte seine Hände nach dem schmiedeeisernen Ofen aus, der eine angenehme Wärme verströmte.

- Leseprobe Ende -







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