02 Ein exlusiver Streifzug durch München mit Bestsellerautorin Heidi Rehn

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

250717

Beitrag 

02 Ein exlusiver Streifzug durch München mit Bestsellerautorin Heidi Rehn




Mit Bestsellerautorin Heidi Rehn auf Spurensuche

„Das Haus der schönen Dinge“


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
heute möchte ich euch von einer Romantour der besonderen Art erzählen.

Ich meldete mich für den letzten Sonntag zu einem Romanspaziergang bei der Autorin Heidi Rehn an. In einem Artikel einer Literaturzeitschrift hatte ich von einer solchen Tour im vergangenen Jahr mit Heidi Rehn in München gelesen. Ein Blick auf ihre Internetseite zeigte, dass es auch für 2017 solche Touren zu den Schauplätzen ihrer Romane gibt. Dabei zeigt sie vor Ort, wie sich reale Hintergründe und fiktive Schilderung im Roman vermischen. Frau Rehn schrieb den Roman „Das Haus der schönen Dinge“, der von der jüdischen Kaufmannsfamilie Hirschvogl im 19. und 20. Jahrhundert und ihren drei Generationen erzählt. Mir war die Autorin bisher durch ihre mittelalterlichen Romane „Die Wundärztin“ und „Das Bernsteinerbe“ bekannt. Umso gespannter fieberte ich dem 16.07.2017 entgegen. Das Buch hatte ich mir bereits gekauft, mit dem Lesen aber noch gewartet. Ich wollte mich von der Romantour leiten lassen.


Am vergangenen Sonntag traf ich kurz vor 11:00 Uhr vor dem Kaufhaus Karstadt, gegenüber dem Hauptbahnhof, auf eine sehr sympathische und gut gelaunte Heidi Rehn. Inmitten vieler Touristen, die sich vor den Ständen für Stadtrundfahrten sammelten, war sie durch ihre Umhängetasche, die mit ihrem Namen und dem Buchcover verziert war, gut erkennbar. Bis um 11:00 Uhr hatten sich ca. 20 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer gefunden. Das Publikum war überwiegend weiblich und im besten Mittelalter. Heidi Rehn begrüßte und erzählte uns, was wir in den nächsten zwei Stunden erleben würden. Sie wollte uns die Schauplätze, die Geschichte der Stadt und der Warenhäuser zeigen. Die Tour begann am Karstadt, das die Münchner noch heute als Hertie bezeichnen. Heidi Rehn erzählte uns, wie es zu der Entstehung von Warenhäusern kam und warum die Gründer überwiegend Juden waren. Wir tauchten ein in das 19. Jahrhundert und erlebten die Gesellschaft dieser Zeit, das friedliche Miteinander der Katholiken und Juden in München. Es wurde ein Ausflug in die Geschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon bald wurde klar, dass die Autorin so viel Wissen über diese Zeit unmöglich nur durch die Recherche erlangt haben konnte. Durch ein Gespräch erfuhr ich, dass Heidi Rehn u.a. Germanistik und Geschichte in München studiert hatte. Den Zwanziger Jahren galt ihr besonderes Interesse. Schon lange hatte sie über diese Zeit Romane schreiben wollen. Doch die Verlage mussten erst überzeugt werden, dass dieser Stoff und die Zeit auch die Leser interessieren würden. Wenn Heidi Rehn erzählte, spürte man, wie intensiv sie sich mit dieser Zeit auseinander setzte. Sie ließ uns nicht nur an ihrem Wissen teilhaben, sondern sie verstand es, uns diese Zeit erleben zu lassen, Geschichte anfassbar zu machen. Ich selbst tauchte ein und versuchte  anhand der Bilder und Fotografien, die die Autorin zu den Schauplätzen durch unsere Reihen gehen ließ, die Menschen zu sehen, die voller Staunen an den Kaufhäusern vorbeigingen oder das Kaufhaus mit Ehrfurcht betraten und sich wie in einem Wunderland fühlten.

 

Vom Hertie ging es weiter zum Stachus, vorbei an dem heutigen Hotel Anna, das damals das erste Kaufhaus von Hermann Tietz war, ein Niedrigpreisladen für den Durchschnittsbürger, aus dem sich später seine großen Warenhäuser entwickelten.   Das nächste Ziel war der Oberpollinger. In den vielen Jahren in denen ich in München arbeite, hatte ich das Gebäude noch nie mit diesen Augen gesehen. Heute blickte ich verwundert auf die Koggen, die die Dachfirste zieren.




Heidi Rehn berichtete uns, wie es dazu kam, zeigte uns, dass die Kaufmannsfamilie Emden aus Hamburg kam (deshalb die Schiffe als Verzierung) und welche Auswirkungen ihr Erscheinen auf die Familie Hirschvogl im Roman hatte. Sie verwendete Neuerungen, wie die Leihbibliothek, erste Frauenzeitschriften oder auch die Rolltreppe für ihr Warenhaus. Sie las die betreffenden Stellen im Roman zu diesem Schauplatz und ich versank in der Vergangenheit, ließ mich mitziehen von den Figuren hinein, in die Zeit und ins Buch.

Weiter ging die Tour zum Kaufhaus Hirmer. Hier zeigte uns Heidi Rehn die Grenze der ersten Münchner Stadtmauer. Hundertmal war ich hier schon vorbeigegangen, ohne mir je Gedanken über die schwarzen Pflastersteine auf der Straße gemacht zu haben. Jetzt wusste ich, dass hier einstmals ein Turm stand. Die Autorin musste beim Lesen die Glocken der Frauenkirche übertönen, die zum Ausgang des Gottesdienstes läuteten. Doch auch das schaffte sie mit Bravour. Weiter ging die Tour zum Gebäude des jetzigen Kaufhofs, dessen Fassade unter Denkmalschutz steht und erst kürzlich renoviert wurde. An dieser Stelle begrüßte früher Roman Mayr seine Kundschaft. Hier spürten wir in einem Gespräch zwischen ehemaligen Stammkundinnen der Hirschvogls und der Inhaberin die angeheizte Stimmung gegen die Juden. Das Klima war verseucht. Man ahnte nichts Gutes.

Als wir den Marienplatz erreichten, waren noch die letzten Klänge des Glockenspiels des Münchner Rathauses zu hören und die Touristen mit dem Fotografieren des Schauspiels beschäftigt. Doch wir verweilten nicht an diesem Platz sondern gingen zum ehemaligen Geschäft des Isidor Bach, der wie die anderen Juden in den dreißiger Jahren sein Geschäft aufgeben musste. Heute steht hier das Kaufhaus Konen. Hier las Heidi Rehn aus den Stellen im Buch, die zeigen, wie sich der Antisemitismus ausbreitete und ließ uns das Ende der Dynastie Hirschvogl erahnen. Während des Dialogs zwischen Lily und ihrer Freundin bekam ich eine Gänsehaut, denn ich dachte an die Ereignisse, die bald darauf die ganze Welt ins Chaos stürzen sollten und einen Krieg, in dem Millionen Menschen getötet wurden.

Doch mit diesen traurigen Gedanken wollte uns Frau Rehn nicht in den Sonntagnachmittag entlassen. Sie nahm uns wenige Meter weiter mit zum Stadtmuseum und zeigte uns, in den Fenstern des Gebäudes den Schriftzug „Uhlfelder“, der hier seinen festen Platz gefunden hat. Hier stand das Kaufhaus Uhlfelder – genau an der Stelle - wo sich heute der Anbau des Stadtmuseums befindet. In der Progromnacht 1938 wurde es komplett zerstört. Die Familie Uhlfelder hat trotzdem nach dem Zweiten Weltkrieg der Stadt München die Grundstücke des ehemaligen Kaufhauses für den Erweiterungsbau des Stadtmuseums zur Verfügung gestellt.

Unsere Romantour näherte sich dem Ende.  Zum Schluss zeigte uns Heidi Rehn den Platz, an dem ihr Kaufhaus Hirschvogl gestanden hätte. So könnte es ausgesehen haben.




Heute sieht man dort eine Baugrube. Die drei alten Häuser wurden abgerissen. Vielleicht plant dort ein Investor, der das Buch gelesen hat, den Bau eines Kaufhauses? Ein schöner Gedanke mit dem Heidi Rehn die Tour beendete.

Jetzt stand sie für Fragen und das Signieren ihres Buches zur Verfügung.

Ich war beeindruckt von diesen zwei Stunden und hatte so viel über die Geschichte dazugelernt, die uns Heidi Rehn eindrucksvoll erleben ließ. Die Schauplätze und die Zeit kenne ich nun besser. Jetzt ist die beste Gelegenheit durch das Lesen des Buches die Kaufmannsfamilie Hirschvogl kennenzulernen.  Wer Geschichte und spannende Bücher liebt sowie in München oder der näheren Umgebung lebt, dem möchte ich empfehlen, mit Heidi Rehn auf Spurensuche zu gehen. Termine und Informationen findet ihr auf der Internetseite „Streifzüge – München literarisch erleben“.

Auch für das nächste Jahr kündigte Heidi Rehn eine neue Romantour  an, wenn ihr neues Buch, das wieder in München spielt, herauskommt. Ich bin mit Sicherheit wieder dabei. Vielleicht sehen wir uns dann.

Herzlichst eure Sabine

Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung von Frau Rehn bei der Überarbeitung des Textes und die Nutzungserlaubnis der Fotos, die alle ein Copyright von Alexander Rehn haben.

muglsabine2016
Autor
Autor

Anzahl der Beiträge : 210
Punkte : 322
Anmeldedatum : 13.11.16
Ort : Altomünster

Nach oben Nach unten

- Ähnliche Themen
Diesen Eintrag verbreiten durch: Lesezeichen erzeugenDiggRedditDel.icio.usGoogleLiveSlashdotNetscapeTechnoratiStumbleUponNewsvineanzeigenYahooSmarking

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten