"Die Traumseherin" Prolog – 1. Kapitel/Auszug Rohfassung

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090317

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"Die Traumseherin" Prolog – 1. Kapitel/Auszug Rohfassung




Nein, eigentlich nicht unsere Welt, und dann aber irgendwie doch wieder ...

Kleines Solo von Evelucas ...
Die Traumseherin

Prolog:
Lorma, ano 1486 ...

Der Hunt polterte energisch gegen die Tür.
»Madame Mistik!«, dröhnte seine Ehrfurcht gebietende Stimme von draussen durch das Haustor. Gefolgt von noch energischerem Gepolter.
»Erbitte um sofortigen Einlass oder ich muss mir mit Gewalt Zutritt verschaffen!«
»Um Himmels Willen! Die werden uns holen und verbrennen, wie sie es mit den anderen Mädchen getan haben«, wisperte Rosemarie hysterisch. Sie hatte schreckliche Angst.
»Nein. Das lass ich nicht zu. Sei still jetzt«, entgegnete ihr Mistik mit bebender, wenngleich gedämpfter Stimme und nahm sie kurz in den Arm. »Alles wird gut Rosemarie, ich lass nicht zu das sie dich kriegen.« Sie ergriff das Handgelenk ihrer jüngeren Schwester. Die filigranen Anhänger auf dem zierlichen Silberarmband klimperten.
»Nimm den ...,« sie drückte ihr einen einzelnen, aus kaltem Eisen robust gefertigten Schlüssel in die Handfläche. »... begib dich in den Keller. Öffne die schwere Eisentür hinter dem Weinfass, schlüpf hindurch und versperr sie sofort wieder von der anderen Seite. Die unterirdischen Verläufe der Stadt liegen dahinter. Folge dem Weg jener Fackeln, die mit grünen Bändern markiert wurden, entferne Letztere noch währenddessen. Sie bringen dich direkt zu Frayat Stalk’s Haus. Ich verlange, dass du verschwindest, jetzt!«
»Was, ich soll dich allein lassen?« Rosemarie starrte entsetzt zu ihr auf.
Mistik nickte entschieden. »Ja. Erzähl ihm, was passiert ist. Er kann dich beschützen und verstecken. Sag ihm, er darf auf gar keinen Fall hierher kommen, auf gar keinen Fall! Hörst du?«, wiederholte sie nochmals eindringlich. »Du wirst ihm überzeugend versichern, dass ich alles im Griff hab, ok?«
»Ab ... hast du das denn?«
Mistik bemühte sich um ein Lächeln und nickte erneut.
»Keine Sorge. Ich krieg das schon hin.«
»Wie soll mir das keine Sorgen bereiten. Du verlangst von mir dich alleine zu lassen, ohne Fluchtweg für dich, um auch selbst dem Hunt entfliehen zu können«.
»Madame Mistik!«, begehrte  die barsche Stimme des Hunt erneut auf. Die Frauen schraken zusammen. Tamayo schnappte Rosemarie’s Arm, zerrte sie bis vor die Kellertür und öffnete dieselbe so lautlos wie möglich. »Beeil dich, fort mit dir, Rosei«, zischte sie. Die jüngere Schwester zögerte.
»Ich weiß, dass ihr da seid!«, brüllte die Männerstimme erneut. »Wollt ihr mich für dumm verkaufen? Ich kann eure Schritte hören. Das ist meine letzte Warnung! Dreissig Beamte können es hier draußen kaum erwarten euer Heim zu stürmen. Hört auf Spielchen zu spielen, öffnet sofort die verdammte Türe, Madame«.
»Scheiße«, fluchte Mistik.
»Ich zähle bis zehn, solltet ihr meine Befehle bis dahin immer noch nicht befolgen, lass ich stürmen!«
»Jetzt oder nimmer!«, forderte Mistik die Schwester mit zischender Stimme erneut auf.
»Eins! Zwei!«
Rosemarie zögerte abermals. Mistik fluchte erneut.
»Ist ja schon gut!«, brüllte sie endlich übertrieben gereizt in Richtung Eingangstür.
Der Hunt zählte dennoch weiter. »Drei! Vier!«
»Verflucht noch eins, man wird sich doch noch ankleiden dürfen, bevor man einer Horde Männer mitten in der Nacht die Türe öffnet!«, versuchte es Mistik nochmal.
»Fünf!«
»Mist!«, sie packte Rosemarie energisch an den Schultern und zwang sie, ihr in die Augen zuschauen.
»Hör zu Rosei, wenn du jetzt nicht tust was ich dir sage, schubs ich dich die Treppe da hinunter. Versteh doch, wir haben keine Wahl. Sie dürfen dich nicht für etwas bestrafen, wofür du nichts kannst. Ich habe uns das eingebrockt, ich werde das auch wieder in Ordnung bringen. Also verschwinde jetzt endlich!«
»Sechs! Sieben!«
»Los, los, los!«, sie drängte Rosei die ersten beiden Stufen in den Vorratskeller hinab.
»Acht!«
»Fort mit dir!«
»Neun!«
Endlich kam die Botschaft bei der Jüngeren an. Sie warf Mistik einen letzten verzweifelten Blick zu, wandte sich von ihr ab und floh tiefer in den Keller.
»Zehn! Jeeetzt!«
Mistik wartete auf den ersten Versuch der Männer, die Türe aufzubrechen. Dann, zeitgleich mit den berstenden Holzbalken, schlug sie die Kellertür hinter Rosemarie zu. Hektisch verriegelte sie diese von außen und hastete mit flatterndem Herzen in den Flur, bevor die Staatsdiener den vorderen Eingang endgültig sprengten.
Schon brach das Chaos los.
Die Türe hob sich gefährlich aus den Angeln, nur um hintennach donnernd aufzufliegen. Mistik versuchte noch, ihr Gesicht vor den vielen Holzsplittern zu schützen. Schlagartig stürmten die Wachen des Hunt das Haus, packten sie derb an Armen wie Beinen und schleiften sie unerbittlich ins Freie.
»Tamayo Mistik, ihr wurdet der Hexerei denunziert! Aufgrund mehrerer Zeugen steht ihr unter Verdacht, jungfräuliche Seelen zum Zwecke finsterer Machenschaften gegen das Glaubenssyndikat, an die gottlose Wächterschaft - Angnostika geheißen- verkauft zu haben!«
Pah, schoss Tamayo durch den Kopf. Als ob man die menschliche Seele verkaufen könne? Höchstens gerettet vor euch Teufeln hab ich sie.
Minder offiziell fügte der Hunt dicht an ihrem Ohr noch hinzu: »Rückt die Tagebücher heraus. Oder ich sorge höchstpersönlich dafür, dass ihr überaus qualvoll fast zu Tode gefoltert werdet, bevor eure in guter Hoffnung befindliche Schwester dabei zusehen darf, wie ihr brennen werdet. Besser ihr denkt darüber nach«.
Dann ließ er abrupt von ihr ab und wies seine Männer an, das heimelige Haus in Schutt und Asche zulegen.

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Beitrag am Do 9 März 2017 - 19:27 von Evelucas

1.Kapitel

Lorma 2014, Hauptstadt Gräfe

Sie träumte gerade.
»Petula?« erklang eine ihr ziemlich bekannte Stimme aus weiter Ferne.
Ruckartig schreckte sie hoch. Bin ich eingeschlafen?
»Petula, meine Güte«, sprach die samtene Männerstimme sie erneut an.
Schlaftrunken blickte die Angesprochene auf und landete direkt in den Untiefen zweier dunkler Augen. In einer Mischung aus Vorwurf und Überraschung glotzten diese auch auf sie hinunter. Dazwischen drei winzige Sorgenfältchen.
Sie lächelte versonnen.
»Ich fand diesen dunklen Bernstein schon immer putzig«, ließ sie ihn schlaftrunken wissen. 
Die Schatten zwischen seinen Brauen vertieften sich irritiert.
»Wie bitte?«
Erst in diesem Augenblick wurde sich Petula gewahr, was sie da soeben gesagt hatte und zu wem, woraufhin sich ihr Gesicht ketchuprot färbe.
»Oh Gott. Professor Stak. Ähm ..., ach du scheiße. Tut– mir leid? Ich wollte nicht, ich meine – war verwirrt ähm ... eingeschlafen, wollte lernen", hektisch versuchte sie sich hochzustemmen, da rutschten ihre blutleeren Hände und Arme jedoch unkontrolliert unter ihr weg. Folglich fegte sie ungelenk sämtliche Blätter und aufgeschlagene Bücher von ihrem Arbeitspult, hinter ihr krachte der Stuhl zu Boden und schon drohte sie ergo auch mit dem Gesicht voran wieder auf die Pultplatte zu knallen. Nur der Arm ihres Literatur und Philosophie Professors rettete sie gerade noch rechtzeitig.
»Petula, mal langsam«, er hielt sie entschieden fest und half ihr sich zu fangen.
»Was in aller Welt tun sie um diese Zeit noch in der Schulbibliothek? Haben sie bis jetzt gelernt?«
Statt einer Antwort musterte Petula ihn nur aus großen Augen. Ihr stockte der Atem und sie wusste, solange er sie nicht wieder loszulassen gedachte, würde sie keinen weiteren Ton herausbringen. Ihr Blick streifte ungewollt seinen Mund. Hitze.
Scheiße, hat er es bemerkt? Reiß dich zusammen, schalt sie sich. Er ist dein Lehrer verdammt.
Sie schluckte beklommen, dennoch gelang es ihr, sich aus seinem Griff zu lösen.
»Ähm ..., wie spät ist es?«, wollte sie wissen.
Irritiert warf Fayet einen Blick auf seine Uhr, wenngleich er ihr auch ohne, eine richtige Antwort darauf hätte geben können.
»Kurz nach neun.«
»Scheiße ich komm zu spät«, jammerte sie.
»Sie kommen was?«
»Ähm ... zur Arbeit. Zu spät zur Arbeit«, hektisch begann sie, Bücher und Notizen vom Boden aufzuklauben.
»Arbeit?«, er hockte sich neben sie, um ihr zu helfen. »Sie können kaum noch die Augen offenhalten. Seit Wochen schon verlangen sie sich viel zu viel ab.«
»Oh ja, natürlich. Und wer sind sie, um das beurteilen zu können?«, das klang viel schroffer als eigentlich gedacht.
Fayet hielt konsterniert inne.
»Niemand, der ein Recht darauf hätte. Ich wollte nur meine Besorgnis kundtun, bevor sie früher oder später noch vor Übermüdung im Unterricht zusammenzubrechen drohen.«
Ein ironisches Lächeln flog über Petulas Lippen.
»Na schön. Dann verraten sie mir vielleicht noch, wie ich das alles sonst schaffen soll? Zumal ich ja seit neustem meine Miete und dieses Studium sowie meinen Alltag alleine finanzieren muss. Alles, seit sich meine Schwester überraschend aus dem Staub gemacht hat. Falls sie das überhaupt getan hat, was ich ernsthaft bezweifle. Doch wen interessiert das schon. Die dafür zuständige Behörde definitiv nicht. Und ja, sie haben vollkommen Recht, im Grunde geht sie all das nichts an. Trotzdem vielen Dank für die aufrichtige Anteilnahme, doch jetzt muss ich leider dringend gehen.«
»Okay, Petula«, bremste der junge Professor sie ein. Entschieden nahm er ihr sämtliche Bücher aus der Hand.
»Dann fahre ich sie nachhause. Beruhigen sie sich bitte. Ich bin nicht ihr Feind, nur ein besorgter Lehrer. Sie sind meine beste Schülerin. Ich wollte bloß sichergehen, dass diese Schule nicht auch sie, aufgrund dieser Umstände verliert. Gesetzt den Fall ich dies um ihretwillen überaus schade fände.«
Schon erhob er sich und steuerte kurz darauf bereits dem Ausgang der Schulbibliothek zu.
»Ab ...«, Petula schnappte hurtig ihre übergroße Tasche und folgte ihm fluchend, hatte jedoch Mühe ihm hinterher zu kommen. »Sie wissen doch gar nicht wo ...«
»Ich weiß, wo sie wohnen. Ebenso das sie jeden Morgen mit dem Fahrrad vorgefahren kommen. Falls sie dieses heute auch noch benötigen, bringe ich es ihnen gerne extra vorbei.«
Du liebe Zeit benahm sich der aber mit einem Mal arrogant!
»... bringe ich es ihnen gerne extra vorbei«, äffte Petula ihm verhalten nach. 
»Das hab ich gehört«, kam da trocken.
Ärgerlich biss sich Petula auf die Zunge. Dabei störte sie die Aussicht darauf, zur Abwechslung mal nachhause gebracht zu werden, überhaupt nicht. Doch musste es ausgerechnet Professor Stak sein? Wortlos folgte sie ihm aus dem Internatsgebäude.
Die unvermittelt frische Luft, traf Petula wie ein Schock. Sie fröstelte unverhofft in ihrem dünnen, trägerlosen Sommerkleid.
Oh Gott, bitte lass daraus jetzt keine Grippe werden, flehte sie und wurde sogleich von vermehrtem Niesen heftig durchgeschüttelt.
»Wollen sie dort Wurzeln schlagen? Es hat einigermaßen aufgefrischt. Kommen sie!«, forderte Professor Stak sie auf, der inzwischen nur wenige Meter von ihr entfernt, bereits neben der offenen Beifahrertür seines Wagens auf sie wartete. Immer noch hielt er ihre Bücher.
Petula rührte sich nicht vom Fleck.
»Im Auto ist es wesentlich wärmer«, betonte Fayet, als er sie nun so hilflos dastehen sah, die Arme fest um sich selbst geschlungen.
Petulas Blick wechselte nervös zwischen Fayet und dem einladenden Wageninneren.
»Ähm nein. Also das ist ..., wirklich nicht notwendig. Mein Fahrrad wissen sie, könnte sonst womöglich gestohlen werden, oder noch schlimmeres – damit passieren.«
Er musterte sie verständnislos und fragte sich, was denn für ein Fahrrad schlimmer sein könnte, als gestohlen zu werden? Beziehungsweise, für dessen Besitzer. Petula benahm sich höchst merkwürdig.
»Ich bezweifle stark das ihr Fahrrad innerhalb dieses riesigen, inzwischen völlig menschenleeren Internatsgeländes, dass von einem hohen schmiedeeisernen Zaun umgeben ist, ausgestattet mit unzähligen Überwachungskameras und einem Tor, dass sich nur von Innen öffnen lässt, für einen kleinen Fahrraddieb auch nur Ansatzweise von Interesse sein könnte«.
Da ist was dran, musste Petula Widerwillen zugeben. Aber darum ging es doch auch gar nicht, sondern viel mehr um sie und ihn, im warmen Autoinneren, auf engstem Raum. Verflucht!
»Na ja, es gibt viele Verrückte in der Gegend«, behauptete sie lahm.
Fayets Augenbrauen schnellten hoch.
»Das kann unmöglich ihr Ernst sein.«
Als sich Petula noch immer nicht von der Stelle rührte, seufzte er resignierend und verfrachtete ihre Bücher trotzdem auf den Rücksitz seines Wagens.
Sie reagierte irritiert.
»Was ..., wird dass?«
»Oh, nichts weiter. Ich fahre nur ihre Bücher nachhause und komme dann wieder, um zu sehen, für welche Art des Heimtransports sie sich bis dahin entschieden haben«, erklärte er trocken, schlug die Beifahrertüre zu, umrundete seinen Wagen und setzte sich einfach hinters Steuer.
»Aber ..., hey, das können sie doch nicht einfach so tun – das ...«, Petula verstummte abrupt als der Professor den Wagen anließ.
Sie hastete los. In Rekordgeschwindigkeit legte sie die paar Meter zurück und sprang auf der Beifahrerseite hinein, noch bevor sich das Auto mit sanftem Ruck in Bewegung setzte. Als sie die Wagentür zuschlug, waren sie bereits mit mäßigem Tempo unterwegs.
Fayet grinste ohne seinen Blick von der Straße abzuwenden.
»Na also, so schwer war das doch gar nicht«.
Petula funkelte ihn wütend an, während sie sich noch anschnallte.
»Und wie zur Hölle soll ich ohne meinem Fahrrad jetzt zur Arbeit kommen?«, blaffte sie trotzig.
»Ich fahr sie hin«, vermeldete Fayet.
»Na toll!« kommentierte Petula. »Und wie komm ich danach wieder nachhause? Holen sie mich auch wieder ab oder verweilen solange in ihrem Wagen bis meine Schicht vorüber ist? Oh wie romantisch. Es geht doch nichts über ein gepflegtes Verhältnis zwischen einer Studentin und ihrem Professor. Das wird es nämlich sein, was die Leute in dieser kleinen Stadt dann über sie und mich denken werden. Insbesondere wenn denen plötzlich klar wird, wo sich mein nächtlicher Arbeitsplatz befindet.«
Jetzt warf ihr Fayet einen kurzen Seitenblick zu.
»Der da wo wäre?«
»Och, nur auf einem kleinen Berg unweit meines Apartments«, entgegnete Petula vorsichtig.
»Da gibt es nur einen«, gab er zurück.
»Bingo!«, kam es ironisch.
Fayet trat das Bremspedal durch. Mit quietschenden Reifen kam der Wagen zum Stehen.
»Sie arbeiten in Miss Enas Etablissement?«
Abweisend verschränkte Petula ihre Arme vor der Brust, gab sich wieder unnahbar und schwieg entschlossen.




... kleine Vorschau Ende ...

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