03 Fantasyzauber ( Mini-Anthologie Reihe)

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03 Fantasyzauber ( Mini-Anthologie Reihe)





zwei Geschichten, ein lyrisches Stück, ein Gedicht und ein bisschen Magie


Zuletzt von Evelucas am Fr 25 Aug 2017 - 12:34 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet

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03 Fantasyzauber ( Mini-Anthologie Reihe) :: Kommentare

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Beitrag am So 20 Aug 2017 - 16:31 von Evelucas


Drita Kalmandi
Ein Drehbuch für Paps!

Die Hiobsbotschaft war heraus, der erste Schock äusserst präsent, die Stimmung bis zum Zerreißen angespannt, aber noch saßen alle zusammen am Frühstückstisch.
   »Du hast WAS?!«, durchbrach da Ted Nola den stummen Bann. Er konnte nicht fassen, dass ihm seine Tochter so in den Rücken gefallen war. Aber noch minder, dass Helene, seine Frau, sogar auf ihrer Seite zu stehen schien.
   »Ja, richtig“, gab Celina entschieden zurück. »Ich habe mein Betriebswirtschaftsstudium hingeschmissen, mit einem Drehbuchskript an dieser Ausschreibung teilgenommen und das Stipendium für die Theaterschule gewonnen. Nächstes Jahr soll es aufgeführt werden. Mama hat das Aufnahmeformular schon unterschrieben. Jetzt fehlt nur noch deine Unterschrift.«
   „Nein“, entgegnete Ted barsch. „Ich werde nicht dabei zusehen, wie du dein Leben für einen schier lächerlichen Traum wegwirfst. Ich dachte, wir hätten das zu genüge durchgespielt. Du wirst das Studium wieder aufnehmen, beenden, einen Job in der Firma bekommen und in meine Fußstapfen treten!“
   „Nein!“, schrie Celina. „Vergiss es! Ich werde keinen Job machen, indem es nur um Macht, Geld, Macht, Geld und nochmals Geld geht. Kulturlos und familienfeindlich ist das! Da mach ich nicht mit!«
Ted rastete aus.
   »Jetzt reichts, Celina! Ich führe ein anständiges Unternehmen, wage es nicht das noch einmal in Frage zu stellen!«
   »Pah! Von wegen anständig! Du stehst kurz davor deine Familie zu verlieren und merkst es noch nicht einmal! Wach auf! Wann kamst du nach der Arbeit zuletzt heim, als noch Licht brannte oder um mit uns zu Abend zu essen? Kennst du Mamas jüngste Gemälde schon? Wann hast du zuletzt einen Fuß in ihr Atelier gesetzt oder eine ihrer Ausstellungen besucht? Und den letzten Text von mir, hast du wann gelesen? Vor fünf Jahren, da war ich gerade dreizehn. Und ich weiß das, weil es deine Worte waren, die mich damals glauben ließen, ich hätte ein Talent dafür! Und da ich schon mal so schön in Fahrt bin – kennst du auch nur ungefähr meinen miesen Notendurchschnitt? Sollte dich der nicht interessieren, bevor du mir eine Stelle in der Firma zusagst?«
Celina legte eine Pause ein, um mal tief durchzuatmen, ehe sie zornig fortfuhr.
   »Wann hast du überhaupt zuletzt etwas gemacht, was Väter sonst tun!« 
Inzwischen standen Tränen in ihren Augen.
   »Ich soll mein Leben nicht für einen Traum wegschmeißen? Gut, dann schmeiß ich es eben für NICHTS weg! Aber ich setze keinen verdammten Fuß in deine starre Firmenwelt. Lieber warte ich bis zu meiner Volljährigkeit. Danach brauch ich dein Einverständnis für gar nichts mehr!«
Sie sprang wütend auf, hinter ihr krachte der Sessel zu Boden.
   »Ich werde dieses Studium nicht wieder aufnehmen!«
Dann schnappte sie sich ihre übergroße Tasche und stürmte aus der Küche. Kurz darauf hörte man die Haustüre zuknallen und sie war weg.
Ted wollte sofort hinterher, da verstellte ihm Helene den Weg.
   »Wage es nicht“, fauchte sie. »Du hast nicht das Recht ihre Träume zu ruinieren, nur weil du keine mehr hast! Steig von deinem hohen Ross und versuch sie wenigstens zu verstehen. Könntest zum Bespiel anfangen, zuerst mal ihr Manuskript zu lesen, bevor du das nächste Mal austickst! Vielleicht erinnerst du dich dann wieder, wie gut du selbst mal schreiben konntest«.
   »Lass das!«, schnauzte Ted sie an. 
Er hasste es, wenn sie ihn daran erinnerte. Wie Seifenblasen waren all seine Träume zerplatzt, als der Vater starb. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als die Firma zu übernehmen.
   »Entschuldige..., Liebes«, lenkte er sofort resignierend ein. »Lass uns das bitte später besprechen, wenn ich aus der Arbeit zurück bin«.
Und so klaubte auch er seine Sachen zusammen, um sich auf den Weg zu machen. 
An der offenen Türe wandte er sich noch einmal um.
   »Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Ich habe nur jetzt keinen Kopf dafür«, dann ging er zum Wagen.
   »Dann hoffen wir mal, dass du es heute besser bis zum Abendessen schaffst und nicht erst, wenn wir vor dem Scheidungsrichter stehen«, versetzte Helene da.
Schon knallte auch hinter ihm die Türe ins Schloss.
Ted fluchte lautstark, drauf und dran nun gegen die Fahrertür seines Wagens zu treten.
Zum Teufel! Er hasste es, so den Tag zu beginnen.
Schlechtgelaunt fuhr er los.
Als er eine halbe Stunde später aus dem Wagen stieg, wollte er die Firma wie üblich durch den hinteren Eingang betreten. Da stellte er ärgerlich fest, im morgendlichen Tumult den Schlüssel dazu vergessen zu haben.
Ihm blieb also nichts anderes übrig, als den Haupteingang zu benutzen, wofür er zuerst das gesamte Firmengebäude umrunden musste.
Als er den ersten Fuß auf den Gehsteig setzte, befiel ihn jedoch ein merkwürdiger Schwindel. 
Plötzlich fand er sich inmitten einer heiter vor sich hinkichernden Schülertraube wieder, die ihn beinahe niedergerannt hätte.
   »Habt ihr keine Augen im Kopf!«, schimpfte er gereizt.
Doch keiner würdigte ihn eines Blickes.
Irritiert blickte er den Jugendlichen hinterher, da erkannte er schockiert, wie verändert mit einem Mal alles war.
Die sonst stark befahrene Straße bot sich autoleer dar, stattdessen tummelten sich massenhaft Fußgänger darauf und 
auf den Gehsteigen hatten Märkte Stellung bezogen.
Lächelnde Verkäufer unterhielten sich vergnüglich mit ihren Kunden und von der gegenüberliegenden Straßenseite, schlug Ted auch noch eine Duftwolke aromatischer Zuckerstangen, kandierter Früchte, gebratener Nüsse und frischem Süßgebäck entgegen. Wo sich tags zuvor noch ein riesiges Industriegelände aus verdreckten Stahlbetonplatten befunden hatte und stinkende Industrie, übelriechende Abwasser sowie giftige Abgase die Luft verpesteten, schien über Nacht eine riesige Grünanlage emporgewachsen zu sein. Eng nebeneinander gewachsene Laubbäume säumten hübsche Spazierwege. Kindergekicher, fröhliches Vogelgezwitscher und lebhaftes Hundegebell schwirrte durch die Luft. Da waren sogar schwebende Mary Poppins-Gestalten, die mit Regenschirmen umher surrten, lauter Roger Rabbits, die Betty Boop anhimmelten und eine My fair Lady, die die grün grünenden, blühenden Blüten Spaniens besang. Indessen blickten sogar mehrere rocklockige Annies, abgöttisch bewundernd zu ihren millionenschweren Adoptivpapas auf. Sprachlos fiel Teds Blick auch auf mehrere Opern-Phantome, die sich gerade abmühten, ihre Lieblingsgesangstalente in eine Welt der Finsternis hinab zu locken, während bodygepaintete Na‘vi, phantastische Messen unter dem größten aller Bäume begingen.
   »Was ... zum ... soll ...? ... zum Henker ist ...?«, er stand kurz davor, völlig überzuschnappen.
Da wandte er sich, einer seltsamen Eingebung folgend, nun auch dem Haupteingang seiner Firma zu und erstarrte. 
Denn da war keine Firma mehr.



Eva von Kalm
Wolfsbehütet

Es war einmal ein kleines Mädchen namens Josephine, das abends oft alleine am verglühenden Feuer des Kamines saß. Tief in Gedanken versunken, starrte das Mädchen auch an diesem Wintertag, wieder einmal in die sterbenden Flammen. Morgen war Heiligabend, doch ihre Eltern waren, wie so oft, nicht zuhause. 
Dabei wünschte sich Josephine nichts sehnlicher, als das sie mit ihnen einfach mal wieder hier zusammensitzen könnte, um gemeinsam das Feuer im Kamin zu betrachten, und dazu vielleicht eine kleine Weihnachtsgeschichte zu lesen. 
Ganz so wie Früher. 
Doch ihre Eltern hatten nie Zeit, immer waren sie am Arbeiten. So saß sie auch heute zu Hause am Kamin und stellte sich vor, wie schön es doch wäre, hätte sie zumindest Geschwister, eben eine richtige Familie.
Langsam erloschen die Flammen. 
Josephine lehnte sich an die Kaminwand und schloss ihre Augen. Da hörte sie draußen plötzlich das zärtliche Klingeln feiner Glöckchen.  
Sie stand auf, ging zur Tür und öffnete sie. 
Zu ihrer Verwunderung, war die Straße schneebedeckt, sehr ungewöhnlich für diese Gegend. Sie spähte die Straße hinab. Da erkannte sie in der Ferne zwei Pferde, die einen Schlitten zogen. Darauf saß, in einen dicken Mantel gehüllt, ein kräftiger alter Mann mit krummen Rücken und einem langen grauen Bart. 
Vor Josephines Tür hielt er an, stieg ab und reichte ihr die Hand. Josephine ergriff diese und ließ sich ohne Zögern von ihm auf den Schlitten helfen, denn sie fürchtete sich nicht. 
Auch sie hüllte er nun sorgfältig in einen warmen Mantel, ehe sie losfuhren.
Sachte glitt der Schlitten die Straße entlang, bis sie unvermutet auf eine andere und kurz danach, auf eine weitere Straße abbogen. So ging das eine Zeitlang dahin, bis Josephine vollends den Überblick verlor. 
All diese Straßen waren gleich breit, schneebedeckt und ihr völlig fremd. Und entlang der Strecke säumte auch bald kein einziges Haus mehr den Straßenrand. Dennoch fragte Josephine nicht, wohin die Reise gehen würde, sondern saß nur mit großen Augen schweigend da. 
Die dunklen Locken fielen ihr auf die Schultern und umrahmten ihr Gesicht. Eine dicke, fellgefütterte Kapuze wärmte ihr Haupt und ihre Hände steckten inzwischen in dicken Handschuhen. 
Doch es wurde immer kälter und so fror sie, trotz dieser guten, warmen Sachen. Dann aber sah sie in weiter Ferne ein glitzerndes Schloss auftauchen. 
Aus weißem Marmor erbaut, ragte es geheimnisvoll aus der Schneelandschaft empor und erstrahlte im hellen Mondschein. 
Der Schlitten hielt geradewegs darauf zu und kam schließlich direkt davor zum Stehen. Schweigend half der alte Mann Josephine auch wieder vom Schlitten herunter. Zwei schneeweiße Wölfe traten aus einer großen Pforte, die sich wie von Zauberhand öffnete. Sie kamen heran und begrüßten den alten Mann.
Schließlich, flankierte einer der Wölfe ihre rechte und der andere ihre linke Seite, während sie gemeinsam das Schloss betraten. Instinktiv ließ Josephine ihre kalten Finger durch den warmen Pelz der Wölfe gleiten. 
Drinnen wandte sich der alte Mann zu ihr um, sprach jedoch in einer fremden, aber doch wohlklingenden Sprache zu den Wölfen. Diese schienen zu verstehen, wedelten mit ihren Schwänzen und wandten sich nun Josephine zu. 
Kurz darauf folgte sie ihnen hinaus, in einen Flur, auf dem ein warmer Teppich lag. Da zog sie ihre Schuhe aus und schritt barfuß über den flauschigen Teppich, ehe sie die Wölfe zu einer langen Treppe lotsten, die in einen Turm hinauf führte. Und als wäre auch das ganz normal, stieg sie diese – ebenfalls von einem Teppich bedeckt – völlig bedenkenlos hinauf. Oben angelangt führten die Wölfe sie weiter zu einer Tür. Sie öffnete sie und trat in ein heimeliges rundes Zimmer. Fast, wie bei ihr zuhause, hatte auch dieses einen Kamin, indem ein angenehmes Feuer prasselte. Und ein großes, weiches Bett. 
Inzwischen fühlte sich Josephine auch sehr müde. Also zog sie sich aus, legte sich hinein und glitt in einen friedlichen Schlaf, während die weißen Wölfe über sie und ihre Träume wachten.
In einem solchen Traum, erwachte sie bald und ging durch das Schloss. Sie stieg die langen Treppen wieder hinab, und immer waren auch die zwei Wölfe an ihrer Seite. Aber diesmal schwieg sie nicht, sondern unterhielt sich mit den beiden in dieser seltsamen melodischen Sprache. 
Sie erzählte ihnen von ihren Eltern, die nie Zeit für sie hatten, und wie alleine sie sich deshalb oft fühlte. Sie erzählte ihnen, wie sehr sie ein richtiges Weihnachtsfest vermisste. Eines, an dem sie alle wieder einmal beisammensaßen, sich Geschichten erzählten, und einfach lieb haben würden.
Die Wölfe führten sie weiter in einen großen Raum.




Evelucas
Traumtheater

Zu Anfang stand das Wort des Barden
Larissa! Gefangene der Wirklichkeit,
verbittert auf verlor‘ner Suche.
Der einstigen Bestimmung fern,
gleich einem Lügenmärchen -
aus dem Buche.

Ein Häufchen unvollendeter Geschichten
geschäft‘gem Trubel ausgeschlossen.
Demut hat sich in ihr Herz geschlichen
und Gesellschaft sie verdrossen.

Einsiedelei hat Einzug sich erschwindelt,
daher nur noch Träume kennt,
die keine Regeln mehr erzwingen,
doch auch keine Wirklichkeit mehr nennt.

Neu hat sie die Welt erschaffen,
unverfälscht und gar verzückend.
Von selber Muse jedoch bald verlassen,
Schmerzvoll auch entrückte.

In kaltem Traum seither gefangen.
Welch toter Reim der Leere! 
Ach, hoffnungsloses Kind! 
Erfüllt von bloßem Bangen. 
Hinan dies Loch purpurner Schwere!
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Larissa: „Du trübes Tal der stummen Worte,
was treibst du hier in meinem Traum?
Warum riefst du mich vor diese Pforte?
Und nahmst mir diesen Raum? 

Kahl und düster deine Stimmung,
klamm und einsam trifft sie mich.
Warum strafst du meine leidlich Seele?
Warum dieses ICH?

Bist du gar Rache oberflächlicher Gesinnung?
Hier um mich zu quälen?
Zeigst dich von totem Antlitz mir,
wo keine Vögel lieblich Liedlein singen,
und kein Feenvolk mich aufwärts treibt!

Nicht länger werde ich mich da noch zwingen,
solch unvollkommner Welt,
gar großes Wort der Tiefe vorzuspinnen.

Ach, Traum oh Traum, 
bring mich zurück,
nicht länger wünsch ich zu verweilen.
Kein Licht, kaum Laut!
Kein inn‘rer Garten Eden mehr!

So kehr ich um zu dieser Zeit,
solch leerer Poesie zu schwinden.
Nur im Kindes dünnem Kleid,
kann Fantasie mich wieder finden.
Lass mich gehen ach trübes Tal!

- Leseprobe Ende -



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