01 Bezaubernd bunte Textwelten/Debüt-Anthologie

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01 Bezaubernd bunte Textwelten/Debüt-Anthologie





Gemeinschaftsprojekt/Wettbewerb/ Debüt Anthologie


Zuletzt von Evelucas am So 20 Aug 2017 - 15:31 bearbeitet; insgesamt 9-mal bearbeitet

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01 Bezaubernd bunte Textwelten/Debüt-Anthologie :: Kommentare

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Beitrag am Mo 1 Aug 2016 - 14:16 von Evelucas


Drita Kalmandi
Ein Drehbuch für Paps

Die Hiobsbotschaft war heraus, der erste Schock äusserst präsent, die Stimmung bis zum Zerreißen angespannt, aber noch saßen alle zusammen am Frühstückstisch.
   »Du hast WAS?!«, durchbrach da Ted Nola den stummen Bann. Er konnte nicht fassen, dass ihm seine Tochter so in den Rücken gefallen war. Aber noch minder, dass Helene, seine Frau, sogar auf ihrer Seite zu stehen schien.
   »Ja, richtig“, gab Celina entschieden zurück. »Ich habe mein Betriebswirtschaftsstudium hingeschmissen, mit einem Drehbuchskript an dieser Ausschreibung teilgenommen und das Stipendium für die Theaterschule gewonnen. Nächstes Jahr soll es aufgeführt werden. Mama hat das Aufnahmeformular schon unterschrieben. Jetzt fehlt nur noch deine Unterschrift.«
   „Nein“, entgegnete Ted barsch. „Ich werde nicht dabei zusehen, wie du dein Leben für einen schier lächerlichen Traum wegwirfst. Ich dachte, wir hätten das zu genüge durchgespielt. Du wirst das Studium wieder aufnehmen, beenden, einen Job in der Firma bekommen und in meine Fußstapfen treten!“
   „Nein!“, schrie Celina. „Vergiss es! Ich werde keinen Job machen, indem es nur um Macht, Geld, Macht, Geld und nochmals Geld geht. Kulturlos und familienfeindlich ist das! Da mach ich nicht mit!«
Ted rastete aus.
   »Jetzt reichts, Celina! Ich führe ein anständiges Unternehmen, wage es nicht das noch einmal in Frage zu stellen!«
   »Pah! Von wegen anständig! Du stehst kurz davor deine Familie zu verlieren und merkst es noch nicht einmal! Wach auf! Wann kamst du nach der Arbeit zuletzt heim, als noch Licht brannte oder um mit uns zu Abend zu essen? Kennst du Mamas jüngste Gemälde schon? Wann hast du zuletzt einen Fuß in ihr Atelier gesetzt oder eine ihrer Ausstellungen besucht? Und den letzten Text von mir, hast du wann gelesen? Vor fünf Jahren, da war ich gerade dreizehn. Und ich weiß das, weil es deine Worte waren, die mich damals glauben ließen, ich hätte ein Talent dafür! Und da ich schon mal so schön in Fahrt bin – kennst du auch nur ungefähr meinen miesen Notendurchschnitt? Sollte dich der nicht interessieren, bevor du mir eine Stelle in der Firma zusagst?«
Celina legte eine Pause ein, um mal tief durchzuatmen, ehe sie zornig fortfuhr.
   »Wann hast du überhaupt zuletzt etwas gemacht, was Väter sonst tun!« 
Inzwischen standen Tränen in ihren Augen.
   »Ich soll mein Leben nicht für einen Traum wegschmeißen? Gut, dann schmeiß ich es eben für NICHTS weg! Aber ich setze keinen verdammten Fuß in deine starre Firmenwelt. Lieber warte ich bis zu meiner Volljährigkeit. Danach brauch ich dein Einverständnis für gar nichts mehr!«
Sie sprang wütend auf, hinter ihr krachte der Sessel zu Boden.
   »Ich werde dieses Studium nicht wieder aufnehmen!«
Dann schnappte sie sich ihre übergroße Tasche und stürmte aus der Küche. Kurz darauf hörte man die Haustüre zuknallen und sie war weg.
Ted wollte sofort hinterher, da verstellte ihm Helene den Weg.
   »Wage es nicht“, fauchte sie. »Du hast nicht das Recht ihre Träume zu ruinieren, nur weil du keine mehr hast! Steig von deinem hohen Ross und versuch sie wenigstens zu verstehen. Könntest zum Bespiel anfangen, zuerst mal ihr Manuskript zu lesen, bevor du das nächste Mal austickst! Vielleicht erinnerst du dich dann wieder, wie gut du selbst mal schreiben konntest«.
   »Lass das!«, schnauzte Ted sie an. 
Er hasste es, wenn sie ihn daran erinnerte. Wie Seifenblasen waren all seine Träume zerplatzt, als der Vater starb. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als die Firma zu übernehmen.
   »Entschuldige..., Liebes«, lenkte er sofort resignierend ein. »Lass uns das bitte später besprechen, wenn ich aus der Arbeit zurück bin«.
Und so klaubte auch er seine Sachen zusammen, um sich auf den Weg zu machen. 
An der offenen Türe wandte er sich noch einmal um.
   »Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Ich habe nur jetzt keinen Kopf dafür«, dann ging er zum Wagen.
   »Dann hoffen wir mal, dass du es heute besser bis zum Abendessen schaffst und nicht erst, wenn wir vor dem Scheidungsrichter stehen«, versetzte Helene da.
Schon knallte auch hinter ihm die Türe ins Schloss.
Ted fluchte lautstark, drauf und dran nun gegen die Fahrertür seines Wagens zu treten.
Zum Teufel! Er hasste es, so den Tag zu beginnen.
Schlechtgelaunt fuhr er los.
Als er eine halbe Stunde später aus dem Wagen stieg, wollte er die Firma wie üblich durch den hinteren Eingang betreten. Da stellte er ärgerlich fest, im morgendlichen Tumult den Schlüssel dazu vergessen zu haben.
Ihm blieb also nichts anderes übrig, als den Haupteingang zu benutzen, wofür er zuerst das gesamte Firmengebäude umrunden musste.
Als er den ersten Fuß auf den Gehsteig setzte, befiel ihn jedoch ein merkwürdiger Schwindel. 
Plötzlich fand er sich inmitten einer heiter vor sich hinkichernden Schülertraube wieder, die ihn beinahe niedergerannt hätte.
   »Habt ihr keine Augen im Kopf!«, schimpfte er gereizt.
Doch keiner würdigte ihn eines Blickes.
Irritiert blickte er den Jugendlichen hinterher, da erkannte er schockiert, wie verändert mit einem Mal alles war.
Die sonst stark befahrene Straße bot sich autoleer dar, stattdessen tummelten sich massenhaft Fußgänger darauf und 
auf den Gehsteigen hatten Märkte Stellung bezogen.
Lächelnde Verkäufer unterhielten sich vergnüglich mit ihren Kunden und von der gegenüberliegenden Straßenseite, schlug Ted auch noch eine Duftwolke aromatischer Zuckerstangen, kandierter Früchte, gebratener Nüsse und frischem Süßgebäck entgegen. Wo sich tags zuvor noch ein riesiges Industriegelände aus verdreckten Stahlbetonplatten befunden hatte und stinkende Industrie, übelriechende Abwasser sowie giftige Abgase die Luft verpesteten, schien über Nacht eine riesige Grünanlage emporgewachsen zu sein. Eng nebeneinander gewachsene Laubbäume säumten hübsche Spazierwege. Kindergekicher, fröhliches Vogelgezwitscher und lebhaftes Hundegebell schwirrte durch die Luft. Da waren sogar schwebende Mary Poppins-Gestalten, die mit Regenschirmen umher surrten, lauter Roger Rabbits, die Betty Boop anhimmelten und eine My fair Lady, die die grün grünenden, blühenden Blüten Spaniens besang. Indessen blickten sogar mehrere rocklockige Annies, abgöttisch bewundernd zu ihren millionenschweren Adoptivpapas auf. Sprachlos fiel Teds Blick auch auf mehrere Opern-Phantome, die sich gerade abmühten, ihre Lieblingsgesangstalente in eine Welt der Finsternis hinab zu locken, während bodygepaintete Na‘vi, phantastische Messen unter dem größten aller Bäume begingen.
   »Was ... zum ... soll ...? ... zum Henker ist ...?«, er stand kurz davor, völlig überzuschnappen.
Da wandte er sich, einer seltsamen Eingebung folgend, nun auch dem Haupteingang seiner Firma zu und erstarrte. 
Denn da war keine Firma mehr.




Zuletzt von Evelucas am Mi 1 März 2017 - 19:08 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet

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Beitrag am Mo 1 Aug 2016 - 14:17 von Evelucas


Eva von Kalm
Der gestohlene Regenbogen

Tamara saß in ihrer Wohnung und wusste mal wieder nichts mit sich anzufangen. 
Nichtsnutz, würde ihr Papa sie jetzt schimpfen.
Sie tigerte von der Küche ins Schlafwohnzimmer und wieder zurück, setzte sich an ihr Klavier, spielte drei Töne und ließ es wieder bleiben.
Gähnende Langeweile machte sich breit. Wenn nicht bald etwas passierte, drohte sie hier zu verkümmern.
Sie wollte ein Abenteuer erleben, etwas Aufregendes, Etwas, das sonst nur in Märchen geschah.
Dummerweise war genau das ihr Problem: 
Es geschah deshalb auch nur in Märchen. 
Nicht hier in der Wirklichkeit.
Doch sie war nun mal eine hoffnungslose Träumerin und liebte Märchen einfach über alles. Stundenlang verkroch sie sich in ihren Büchern und hoffte sogar heute noch darauf, dass aus ihnen vielleicht auch mal ihr Märchenprinz heraus gehüpft käme.
Natürlich ließen sich weder Frosch noch Prinz jemals blicken.
Sie warf einen Blick auf ihre Uhr.
In einer Stunde würde sie wieder bei Aldi an der Kasse ihren öden Dienst versehen.
Tamara seufzte ergeben.
Das hatte sie nun davon ohne Abi von der Schule gegangen zu sein, um etwas anderes mit dem eigenen Leben anzufangen. 
Also nichts, um es deutlich zu sagen.
Sie zog sich noch einmal um – das hatte sie heute erst drei oder vier Mal gemacht. Dann ging sie los.
Ein weiterer Nachmittag ihres Lebens, der völlig sinnlos an ihr vorüberziehen würde. Sie überquerte die Straße, bog um die Ecke und ... 
Perplex blieb sie stehen. Der Anblick, der sich ihr bot, konnte nur ihrer Fantasie entsprungen sein.
Eigentlich sollte hier die Straße anfangen, an dessen Ende der Aldi lag - eine zweispurige Straße, die mit einem großen Parkplatz abschloss. Doch die war futsch, ersetzt durch einen Regenbogen. 
Tamara konnte es nicht fassen. Sie kniff ihre Augen zusammen und kreuzte die Finger. Oh bitte, lass ihn noch da sein, wenn ich die Augen wieder aufmache. 
Und tatsächlich, so war es. Immer noch schimmerte direkt vor ihr, ein Regenbogen in kräftigen Farben. Vorsichtig setzte sie einen Fuß darauf und spürte festen Boden darunter.
Es klappt!, jubelte sie innerlich und stellte auch ihren zweiten Fuß dazu. 
Sie warf einen Blick hinunter und erkannte, dass sie nun auf den Farben schwebte, nur ein paar Zentimeter über dem Boden.
Aufgeregt rannte sie los – den ganzen Regenbogen entlang – und zwang sich, nicht daran zu denken, dass jeder Regenbogen eigentlich nur eine Lichtreflektion in Kombination mit Regen war. Egal, das hier war echt, und natürlich stand am Ende ein Topf voll Gold. Wie klischeehaft. 
Konnte es wirklich so einfach sein? Da war ein Regenbogen und am Ende Gold? Sie kicherte. 
Ihr war, als sei sie plötzlich Teil eines Märchens geworden, dessen Autor in Schwierigkeiten steckte.
Grinsend langte sie nach dem Topf, versuchte ihn aufzuheben, doch ihre Hand glitt durch ihn hindurch. Sie versuchte es wieder und wieder, bekam ihn aber nicht zu fassen. Langsam wurde sie ärgerlich. Da war dieser wundervolle Regenbogen, der märchengerechte Topf Gold, und sie kam nicht ran.




Zuletzt von Evelucas am Di 14 Feb 2017 - 16:56 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet

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Beitrag am Mo 1 Aug 2016 - 14:18 von Evelucas


Drita Kalmandi
Triptychon

Mariona liebte ihren Beruf über alles. Ihr leidenschaftliches Interesse für Geschichte und Kunst konnte sie bei den Museumsführungen fabelhaft einsetzen. Anfangs freute sie sich auch noch auf diesen besonderen Arbeitstag im Boijmans Van Beuningen Museum, in dem heute die Ausstellung von Hieronymus Boschs Lebenswerk eröffnet werden würde. Und zum ersten Mal würde auch sie endlich das rätselhafte und in Forscherkreisen äusserst umstrittene Gemälde‚ Garten der Lüste, des einst großen niederländischen Künstlers bestaunen dürfen.
Das wollte sie vor der Eröffnung aber lieber alleine tun.

Leider fiel ausgerechnet da eine dieser aussernatürlichen Führungen an sie. Eine Gruppe von drei Leuten. Darunter auch, Latricia Albiola.
Schon als Mariona zum ersten Mal in dieses künstlich geschönte, flachgepuderte weiße Antlitz der krass übergewichtigen Diva blickte, konnte sie dieses Weib nicht ausstehen. Sogar deren Schweinsaugen lagen unter einem tausendschichtigen, bunten Lidschatteneintopf begraben. Alles an der war jedweder Schönheitsrealität enthoben worden. Eine vulgäre Frau, die wirklich nichts Bezauberndes an sich hatte. Ganz im Gegenteil, etwas äusserst Giftiges hing ihr stattdessen an. Dafür aber besaß sie einen beispiellosen Faible für die Kleidertrends der Renaissance, was sich auch in ihrer überzogenen Kostümierung widerspiegelte. 
Oben umquetschte diese Latricias Fettleibigkeit und betonte dieselbe nach unten hin noch himmelschreiender. Das hochgeschlossene Dekolleté bestand sogar aus einem Wulst verstaubter Renaissance Rüschen, die bis an ihr zwölffach gefaltetes Kinn reichten. Und dann trieb ihr auch noch der Schweiß aus allen Poren, was, gelinde gesagt, so ziemlich das Hässlichste aus ihr machte, was Mariona je begegnet war. 
Eine wahrlich groteske Erscheinung.
Das Dumme daran, Mariona hatte die Anweisung erhalten dieser Person sowie dem Rest der Gruppe, eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen. 
Nicht nur, weil Albiola mal ein Star vieler europäischer Opernbühnen gewesen war, sondern auch wegen ihrer derzeitigen Position als stellvertretende Museumsdirektorin des Museo del Prado.
Letzteres hatte den Garten der Lüste für die Dauer der aktuellen Ausstellung an dieses Museum verliehen.
Nach Latricia bestand die Gruppe weiters aus einem mimikfernen Soldaten der schweizer Garde – Latricia’s Geleitschutz – und einen unscheinbaren Bürokraten mit runder Buchalterbrille, in Sakko, Hemd und ganz normalen Jeans. Er gehörte nicht direkt zu Latricia, war allerdings ebenfalls im Auftrag des Museo del Prado angereist.
Er fiel Mariona auf, da er sich während der Führung um einen Tick zu offensichtlich hinter ihnen zurückfallen ließ und Latricia mit misstrauischen Blicken fixierte. Als wäre sie auch ihm nicht ganz geheuer. 
Gerade das machte ihn Mariona jedoch sympathisch, weswegen sie ihm dann und wann ein freundliches Lächeln schenkte und indessen immer wieder ihre Kommentare zu den Gemälden sowie deren Entstehungszeit abgab.
Leider fiel ihr Latricia mit unnötigen, primitiven und hinzu auch ziemlich ungebildeten Äusserungen ständig ins Wort. Das nervte gewaltig. Und so sehnte sie sich schon bald danach, diese Führung schnellst möglich hinter sich zubringen.
Kurz darauf betraten sie endlich den Raum, der am Ende jeder Führung den Höhepunkt der gesamten Hieronymus Bosch Ausstellung ausmachte. 
Den kleinen Saal der Triptychen Gemälde des Künstlers. Am anderen Ende dessen stand auch schon das Prunkstück: Der Garten der Lüste.
Einst hätte dieses monumentale, dreiteilige Gemälde den Altar der im fünfzehnten Jahrhundert angesehenen Bruderschaft unserer lieben Frau zieren sollen, weshalb es Hieronymus Bosch vermutlich in Auftrag gegeben worden war. Daraus wurde nur nichts, so die katholische Kirche der Bruderschaft keine eigene Pfarrei gestattete. Hinzu entsprachen die Darstellungen des Bildes auch gar nicht den kirchlichen Gepflogenheiten.
Genau dass erzählte Mariona der kleinen Gruppe soeben, als ihr Latricia erneut ins Wort fiel.
   »Absolut verständlich. Dieses Bild ist eine einzige Gotteslästerung, man hätte es verbrennen sollen. Eine Unverschämtheit, wie Hieronymus die Dreifaltigkeit der Schöpfung hier darstellt. Ekelhaft all die Nackten im Garten der Lüste und dann auch noch afrikanische Sklaven, wilde Frauen und Männer zusammen mit weißen Menschen. Manche von ihnen sogar beim Akt selbst. Als ob das Paradies ein billiges Bordell sei«
   »Nun ja«, begann Mariona und bemühte sich sehr darum, nicht ihre Augen genervt zu verdrehen. »Womöglich wollte Bosch mit diesem Triptychon gar nicht die katholische Dreifaltigkeit eines Garten Eden, Paradieses und der Hölle abbilden. Denn sein Garten Eden erinnert vielmehr an den unschuldig primitiven Ursprung der Lust und Liebe des Menschen. Und im Garten der Lüste daran, was der Mensch daraus Friedvolles hätte schaffen können, aber statt dessen, wie im Flügel der musikalischen Hölle abgebildet, daraus gemacht hat. Womöglich war es ihm nur ein Anliegen der herrschenden Kirche aufzuzeigen, um wie viel weniger gotteslästerlich es wäre einen Garten der Liebe aus der Erde zu machen, anstatt gerade das zu verteufeln.«
Latricia’s Schweinsaugen verengten sich bösartig.




Zuletzt von Evelucas am So 20 Aug 2017 - 14:55 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet

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Beitrag am Mo 1 Aug 2016 - 14:20 von Evelucas


Agnete C. Greeley
Nichts Böses–Nur Halloween

Der Oktober des Jahres 2003 hatte es in sich. Zuerst einmal kam der Schnee, wohl proportioniert und garantiert direkt aus Alaska. Es war saukalt, und ich war heilfroh, dass ich die schneematschige Stadt samt all der mürrischen Menschen und der muffigen U-Bahn hinter mir gelassen hatte.
Glücklich betrat ich unsere Wohnung, denn ich freute mich bereits auf das Ausräuchern.
Dieses besagte Ritual kennt man womöglich von Weihnachten oder Neujahr, ich allerdings hatte mir vor Jahren schon angewöhnt, es am einunddreißigsten Oktober zu machen. Also in der Nacht zu Allerheiligen. 
Ja, genau, zu Halloween, oder besser gesagt: Samhain. 
Abergläubisch bin ich nicht wirklich, dennoch finde ich den schaurigen Aspekt einfach klasse. Der keltische Mythos, dass in dieser besagten Nacht der Schleier zwischen dem Dies- und dem Jenseits so dünn sei, dass die Geister der Ahnen zurückkehren konnten, um mit den Hinterbliebenen zu kommunizieren, gefiel mir besonders.
Ja, ich gebe es zu - ich stehe auf den gruseligen Kram.
Allerdings besagte ein Gerücht auch, dass die Seelen der im vergangenen Jahr Verstorbenen noch verwirrt auf der Erde herumirren könnten, weil sie den Weg auf die andere Seite noch nicht gefunden hatten und deshalb bei den Menschen Zuflucht suchten.
Dieser pikante Gruselmix regte meine Fantasie dazu an, an diesem Abend zu räuchern und nicht zu Weihnachten oder Neujahr. Außerdem beflügelten mich die herrlichen Kostüme der vielen Kinder, die um Süßigkeiten anstanden noch zusätzlich. Ich hatte sogar einen Spruch, den ich beim Räuchern aufsagte.

Nichts Böses kann zu uns herein.
Nur Gutes darf hier bei uns sein.

Bis zu diesem besagten Tag fand ich den wirklich gelungen und es machte mir Spaß, ihn aufzusagen.
Als ich an diesem Abend zu Bett ging, war ich also ganz zufrieden mit mir und schlief auch rasch ein. Doch irgendwann 
spätnachts schlug ich die Augen auf und da stand meine Mutter mit einem langen Nachthemd bekleidet neben mir.

– Leseprobe Ende –



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Zuletzt von Evelucas am Mo 1 Aug 2016 - 14:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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