01 Franz Kafka und sein Schaffen

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01 Franz Kafka und sein Schaffen

Beitrag von Evelucas am Di 30 Dez 2014 - 0:23

Es freut mich sehr, als aller ersten Artikel in unserer kleinen Kolumne, gleich mal einen kleinen Rundgang durch das Leben und Schaffen von Franz Kafka machen zu können. Er war ein großer Literat und Denker, der sich auch selbst intensiv mit Werken anderer großer Denker und Literaten auseinandersetzte, die zu seiner Zeit als äusserst populär und "en vogue" galten. Einige von ihnen, werden auch noch hier Einzug finden und verewigt werden. So hoffe ich nun, dass es  euch ebenso viel Freude macht, hier über Franz Kafka zu lesen, wie es auch mir Freude machte, diesen Artikel für SchreibElan und euch, unsere Leser, zu verfassen.  sunny  study


Kleine Biografie, in Memoriam Franz Kafka

Franz Kafka war ein deutschsprachiger Schriftsteller, bis heute sogar, einer der großartigsten aus dem deutschsprachigen Raum, deshalb gehören Kafkas Werke heute zum Kanon der Weltliteratur.

Geboren wurde er am 3. Juli 1883 in Prag, damals Österreich-Ungarn und starb einen Monat vor seinem 41. Lebensjahr, am 3. Juni 1924 in Österreich in Kierling, bei Klosterneuburg.

Die meisten seiner Werke wurden erst nach seinem Tod und wie man so hört, eigentlich auch gegen seinen letzten Willen, von Max Brod veröffentlicht, der zu Kafkas Lebzeiten ein enger und Vertrauter Freund von ihm war. So vertraut , das er ihn sogar zu seinem Nachlassverwalter bestimmt hatte.

Zu seinem Hauptwerk zählen neben drei Romanfragmenten ( Der Prozess, Das Schloss,Der Verschollene ), noch zahlreiche weitere Erzählungen wie...

Ein Damenbrevier
Gespräch mit dem Beter
Gespräch mit dem Betrunkenen
Richard und Samuel
Großer Lärm
Die Verwandlung

... und so weiter. (Alle hier angeführten Links dienen ausschließlich einer kurzen Information, über Handlung und Schaffenszeit im Überblick).

Kafkas Schulzeit und Universitätsstudium
Von 1889 bis 1893 besuchte Kafka die Deutsche Knabenschule am Fleischmarkt in Prag. Anschließend ging er, auf väterlichen Wunsch, auf das ebenfalls deutschsprachige, humanistische Staatsgymnasium "Palais Goltz-Kinskyin" in der Prager Altstadt.

Kafka war ein ausgezeichneter Schüler, dennoch quälten ihn seine gesamte Schulzeit hindurch heftige Versagensängste, woran selbst sein schulisch erfolgreiches Fortkommen nichts änderte.
Schon zu dieser Zeit beschäftigte sich Kafka auch mit Literatur. Leider gelten seine frühen Versuche als verschollen, gemutmaßt wird, das er sie wohl selbst vernichtet hat, ebenso wie seine frühen Tagebücher.

Den vollständigen Artikel zu diesem einzigartigen Literaten, illustriert und nachbearbeitet findet man in unserem neuen Forum, gleich hier: (LINK); Franz Kafka, Leben & Schaffen



Quellenangaben:

Hier die Hauptquelle; Franz Kafka
Weitere Quellen:
Peter-Andrè: Franz Kafka - Der ewige Sohn
Luise Begley: Die ungeheure Welt die ich im Kopfe habe. Über Franz Kafka.


Zuletzt von Evelucas am Di 28 Aug 2018 - 17:52 bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet

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Franz Kafka ein Mysterium?

Beitrag von Jascha am Mo 17 Okt 2016 - 18:44

Ich freue mich sehr, dass Franz Kafkas Leben und Wirken hier in dieser ausführlichen Weise gewürdigt wurde. Vielen Dank, Evelucas. 

In einem Brief an Oskar Pollak schrieb Franz Kafka 1904 unter anderem:
" ... Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines Menschen, den wir lieber hätten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß wie die Axt sein für das gefrorene Meer in uns".

Ein Buch - eine Axt für das gefrorene Meer in uns ... Schreiben war kein Hobby für Kafka, es war "Lebensrettung". Als ich im letzten Jahr in Prag im Kafka-Museum war, versuchte ich nachzufühlen, wie es wohl sein muss unter diesem "Motto" zur Feder zu greifen. Es ist mir nicht leicht gefallen. Was ich mir aber gut vorstellen konnte, war, dass er sich von den geliebten Frauen zu sehr ablenken ließ, dass ihm das Sorgen bereitete, ihn viel Kraft kostete, die er doch für das Schreiben so dringend brauchte.

Für mich ist Kafka einer der bedeutendsten Schriftsteller, auch wenn oder gerade weil seine Texte "beißen und stechen" - wie er anderer Stelle fordert.

Liebe Grüße, Jascha
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Re: 01 Franz Kafka und sein Schaffen

Beitrag von Evelucas am Di 18 Okt 2016 - 15:56

Wow, vielen, vielen herzlichen Dank Jascha, für dieses tolle Kommentar.
Ich mag Kafka, also zumindest aus dem literarischem Auge heraus betrachtet. 
Wie er natürlich privat war, darüber lässt sich nur spekulieren. Ich glaube er war ein sehr, sehr anstrengender Mensch, launisch und oftmals vermutlich auch unberechenbar. Zugleich bin ich aber auch überzeugt davon, dass er ebenfalls ein sehr "empfindsamer Geist" war, was sich für mich dann eben auch in seinem Verhalten gegenüber dem weiblichen Geschlecht ausdrückt. Und ich glaube, es war eben dieses eher zurückhaltende und doch eher verschlossene in seinem Wesen, dass ihn überhaupt erst so unberechenbar machte. Er war ja irgendwie auch kein so recht "mutiger" Mensch, den meisten Frauen hat er brieflich mitgeteilt, dass er sie nun doch nicht heiraten will. Very Happy

Als Literat jedoch, war er wirklich ein einzigartiger Mann. Ja, schreiben war für ihn eher eine Therapie, eine die er dringend brauchte, ein Stützpfeiler in seinem Leben, da er in seinen Texten oftmals alles herausschreiben und in fiktive Geschichten packen konnte, was immer ihn gerade belastete und musste darin aber auch zugleich nicht unbedingt "gesellschaftlich funktionieren". Ich schätze, es war eben genau das, wovon er sich beim Schreiben befreien konnte. Das es ihm dennoch oftmals so schwer fiel, seine Geschichten, Gedanken usw. zu Papier zu bringen, hatte auch etwas mit seinem dennoch stark ausgeprägten "gesellschaftlichen und privatem Pflichtbewusstsein" zu tun, dass ihm ja in vielerlei Hinsicht auch schon innerhalb seiner Erziehung (strenger, jähzorniger Vater – liebende, jedoch eher passive Mutter uvm.), mitgegeben wurde. Und niemals aus dem Auge verlieren, darf man hinzu noch die Zeit, in dieser Kafka lebte. Da war so vieles los, dass wir uns heute so gar nicht mehr vorstellen können und auch ganz und gar nicht wieder zurück wünschen würden.

Schade finde ich nur, dass ich oftmals viele Passagen innerhalb seiner Texte, wirklich kaum verstehe oder seine plötzlichen Erzählsprünge nicht nachvollziehen kann. Meistens wird es besser, wenn ich ein und denselben Text von ihm, einfach öfter im Zuge einer Woche nochmal und nochmal lese. So ganz jedoch gelingt es mir nie, dass Geheimnis oder den ganzen Sinn (mit Ausnahme jener Erzählungen, die sich eindeutig mit seinem komplizierten Vater-Sohn Verhältnis befassen), seiner Texte zu ergründen. Gerade das fasziniert mich allerdings auch an seinem literarischen Schaffen, drum starte ich jedes Jahr wieder von neuem einen mindestens eine Woche andauernden Versuch, wieder einmal in seine Schaffenswelten einzutauchen.

Er ist für mich einfach eine jährlich, immer wiederkehrende literarische Herausforderung. Nur deshalb hielt ich es auch für so derart wichtig, ihm auch hier ein "kleines, literarisches Denkmal" zu setzen und finde es unglaublich toll, dass dieses nun auch wirklich mal mit einem solchen Kommentar gewürdigt wird. 
Also nochmals vielen Dank, Jascha.

GLG. Evelucas

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Franz Kafka

Beitrag von A.C.Greeley am Mi 19 Okt 2016 - 9:51

Ich finde es bewundernswert, wenn man sich tatsächlich die Zeit nimmt, um sich mit solch großen Denkern wie Kafka auseinanderzusetzen.
Er war nie mein Fall, dennoch wagte ich mich ständig über seine Werke, nur um wiederholt festzustellen: Er ist nicht mein Fall. Laughing Dennoch war er ein herausragender, großartiger Literat, der in seinen Werken immer derart zum Denken anregt, dass bis heute jeder Leser (auch die widerwilligen) sehr viele Interpretationsmöglichkeiten seiner oftmals verworren wirkenden Geschichten haben.
Die Geschichte, die mich am meisten 'beschäftigt' hat, war 'Der Prozess', eines von den drei unvollendeten und postum veröffentlichen Werken Kafkas. Dieses Werk passt sowohl zu der damaligen Zeit um 1914/15 wie auch in die Gegenwart, also wenn man möchte.
Die Geschichte ist an und für sich furchtbar: furchtbar anstrengend, furchtbar psychoanalytisch und sehr wohl auch furchtbar politisch, aber sie hat auch viele furchtbar komische Details - man beachte ein Loch im Boden eines Gerichtsaales, die Mädels, die so quasi 'auf dem Silbertablett' serviert werden - den Richter, der Pornohefte statt Gesetzesbücher studiert, oder die 'Vollstrecker' die eher wie alte Herren aus der entwachsenen Sängerknabenliga wirken. Dann wäre da noch die Charlie Chaplin-Einlage, als ein alter Beamter die ankommenden Anwälte (Advokaten) genervt über die Stufen hinunterwirft. Und die armen Schweine wollen sich nicht öffentlich gegen den Herrn stellen, sondern lassen sich immer und immer wieder vom Beamten über die Stufen werfen, bis dieser endlich irgendwann ermüdet (na, klingt doch sehr nach dem heutigen Behördenkram, oder nicht?)
Man kann jedenfalls, wie so viele Werke von ihm, auch dieses unter verschiedenen Aspekten betrachten, und dass ist eigentlich das, was Kafka für mich ausmacht. Laughing
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Parabeln von Kafka

Beitrag von Jascha am Mi 16 Nov 2016 - 9:27

Seine Parabeln sind es, die mein Interesse für Kafkas Texte geweckt und wach gehalten haben, so zum Beispiel "Kleine Fabel" oder "Aufbruch" ... das Gefühl, eigentlich keine Wahl zu haben und dennoch weiter zu laufen, bzw. weggehen zu wollen, ohne das Ziel wirklich formulieren zu können, weil einen eh keiner versteht/ verstehen kann ...

Ich mag Texte, die mich immer wieder wegstoßen, mich zum Nachdenken zwingen, mir aber auch Anregungen liefern, mich aufwecken ...

Unter den Parabeln gibt es einige, die ich immer wieder lese, auch die "Strafkolonie" und die "Verwandlung" sind anregend für mich.

Den "Prozess" habe ich nur begonnen zu lesen und abgebrochen, vielleicht sollte ich es erneut versuchen?
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