*Nr. 24.12.2000*

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*Nr. 24.12.2000*

Beitrag von Evelucas am Sa 21 Nov 2015 - 17:47

Leseprobe 25


Evelucas
*Nummer 24.12.2000*
Unsinn ohne Folgen? Das halte ich für ein Gerücht!

Vor dem Fenster ein bewölkter Himmel, ein Wirrwarr zärtlicher Flocken, ein warm prickelndes Feuer im Kamin, Berge wohin ich blicke und eine offene Nase, untermalt vom köstlichen Duft einer gebratenen Gans. Vielleicht noch ein charmanter Gentlemen in der Küche, und mein Weihnachtstag wäre perfekt! 
Ja, schön wärs, wars aber nicht!
Statt dessen war es gerade erst Mittags, ich saß auf der weich gepolsterten, kalten Ledercouch im Wohnschlafraum meiner „hübschen Gemeindebau Design Räumlichkeiten“, der Himmel vor meinem Fenster war klar und es tobte dennoch ein kalter Sturm - ohne Flocken
Einen Kamin besaß ich auch nicht - nur einen teuren Fernwärmeanbieter, und die Berge, von denen ich träumte, waren realistisch betrachtet nur die grauen Mauern anderer Wohnblöcke, die dem meinem gegenüberstanden. Tja und die Gans, nun, die hatte ich wirklich eingekauft, aber dafür keine Ahnung, wie ich sie zubereiten soll. 
Hinzu hätte ich die nie gekauft, wenn ich zu diesem Zeitpunkt bei Sinnen gewesen wäre. 
Also trank ich jetzt stattdessen Kaffee, der mich kulinarisch derzeit kaum ansprach und starrte immer wieder aus nervösen Augen zu meinem Bett hinüber. 
Oh, es war wirklich schön gestern. Christkindlmarkt, zu viel Punsch, ein darauf folgender Einkaufsrausch - daher auch die blöde Gans -, bittere Kälte, irgendwo die verborgene Erinnerung an einen seltsamen Mann und viele Stunden, die einfach so dahin geflogen waren. Gutgelaunt, lallend und äusserst unterkühlt, kehrte ich spätnachts Heim. 
Den Rest hatte ich schlicht vergessen. Keinerlei Erinnerung mehr, noch nicht einmal irgendwelche blassen Erinnerungsfetzen. 
Nur Leere.
Als ich heute erwachte, hämmerte mir dafür ein sehr engagierter, gemeingefährlicher Bergarbeiter gegen den Innenschädel. Für einen Augenblick dachte ich sogar ihn fluchen zu hören. Das war allerdings, bevor ich schockiert den dunkelhaarigen Fremden neben mir anstarrte, dessen träge Stimme unverständlich murrend, starke Ähnlichkeit mit der des imaginären Bergarbeiters hatte. 
Neben mir, in meinem allerheiligsten Bett, lag ein Fremder!
Ein vollkommen Fremder!
Beruhigend war nur, dass der auch nicht besser aussah, als ich mich in diesem Moment gefühlt hatte. 
Auf diesen Schock hin hob ich dann schlaftrunken, nur so auf Verdacht, meine Decke und warf einen scheuen Blick darunter. 
Nun ja, wie soll ich sagen, viel gab es da nicht zu sehen, ausser eben, was ich schon befürchtet hatte. 
In blankem Ersetzen war ich aus dem Bett gesprungen, mitsamt meiner Decke natürlich, und in einen schier fabelhaften Haufen exquisiter Glaskugeln, unnötiges Lametta und endlos erscheinende Weihnachtsgirlanden gestiegen. 

Die Glaskugeln zersplitterten unter meinen Füßen, aufdringliches Lametta heftete sich an meine Fersen und so stolperte ich über rotgoldene Girlanden direkt ins Badezimmer und sperrte mich ein.



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