16 Der gestohlene Regenbogen, Leseprobe

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211115

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16 Der gestohlene Regenbogen, Leseprobe





Eva von Kalm
Der gestohlene Regenbogen

Tamara saß in ihrer Wohnung und wusste mal wieder nichts mit sich anzufangen. 
Nichtsnutz, würde ihr Papa sie jetzt schimpfen.
Sie tigerte von der Küche ins Schlafwohnzimmer und wieder zurück, setzte sich an ihr Klavier, spielte drei Töne und ließ es wieder bleiben.
Gähnende Langeweile machte sich breit. Wenn nicht bald etwas passierte, drohte sie hier zu verkümmern.
Sie wollte ein Abenteuer erleben, etwas Aufregendes, Etwas, das sonst nur in Märchen geschah.
Dummerweise war genau das ihr Problem: 
Es geschah deshalb auch nur in Märchen. 
Nicht hier in der Wirklichkeit.
Doch sie war nun mal eine hoffnungslose Träumerin und liebte Märchen einfach über alles. Stundenlang verkroch sie sich in ihren Büchern und hoffte sogar heute noch darauf, dass aus ihnen vielleicht auch mal ihr Märchenprinz heraus gehüpft käme.
Natürlich ließen sich weder Frosch noch Prinz jemals blicken.
Sie warf einen Blick auf ihre Uhr.
In einer Stunde würde sie wieder bei Aldi an der Kasse ihren öden Dienst versehen.
Tamara seufzte ergeben.
Das hatte sie nun davon ohne Abi von der Schule gegangen zu sein, um etwas anderes mit dem eigenen Leben anzufangen. 
Also nichts, um es deutlich zu sagen.
Sie zog sich noch einmal um – das hatte sie heute erst drei oder vier Mal gemacht. Dann ging sie los.
Ein weiterer Nachmittag ihres Lebens, der völlig sinnlos an ihr vorüberziehen würde. Sie überquerte die Straße, bog um die Ecke und ... 
Perplex blieb sie stehen. Der Anblick, der sich ihr bot, konnte nur ihrer Fantasie entsprungen sein.
Eigentlich sollte hier die Straße anfangen, an dessen Ende der Aldi lag - eine zweispurige Straße, die mit einem großen Parkplatz abschloss. Doch die war futsch, ersetzt durch einen Regenbogen. 
Tamara konnte es nicht fassen. Sie kniff ihre Augen zusammen und kreuzte die Finger. Oh bitte, lass ihn noch da sein, wenn ich die Augen wieder aufmache. 
Und tatsächlich, so war es. Immer noch schimmerte direkt vor ihr, ein Regenbogen in kräftigen Farben. Vorsichtig setzte sie einen Fuß darauf und spürte festen Boden darunter.
Es klappt!, jubelte sie innerlich und stellte auch ihren zweiten Fuß dazu. 
Sie warf einen Blick hinunter und erkannte, dass sie nun auf den Farben schwebte, nur ein paar Zentimeter über dem Boden.
Aufgeregt rannte sie los – den ganzen Regenbogen entlang – und zwang sich, nicht daran zu denken, dass jeder Regenbogen eigentlich nur eine Lichtreflektion in Kombination mit Regen war. Egal, das hier war echt, und natürlich stand am Ende ein Topf voll Gold. Wie klischeehaft. 
Konnte es wirklich so einfach sein? Da war ein Regenbogen und am Ende Gold? Sie kicherte. 
Ihr war, als sei sie plötzlich Teil eines Märchens geworden, dessen Autor in Schwierigkeiten steckte.
Grinsend langte sie nach dem Topf, versuchte ihn aufzuheben, doch ihre Hand glitt durch ihn hindurch. Sie versuchte es wieder und wieder, bekam ihn aber nicht zu fassen. Langsam wurde sie ärgerlich. Da war dieser wundervolle Regenbogen, der märchengerechte Topf Gold, und sie kam nicht ran.
- Leseprobe Ende -







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