Traumtheater

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Traumtheater

Beitrag von Evelucas am Sa 21 Nov 2015 - 12:55

Leseprobe 1


Zusammenfassung:
Aus Angst vor dem Leben selbst, schuf sie sich eine eigene Welt. 
Eine Welt der Träume, eine Welt in der nur sie allein bestimmt
wie diese auszusehen hat, eine Welt die sie ganz alleine kontrolliert 
und die nur ihren Vorstellungen und Wünschen entsprechend funktioniert.
Bis sie eines Tages von ihrem ICH eingeholt wird und erkennen 
muss, das man niemals, vor sich selbst fliehen kann.

Evelucas
Traumtheater  
 ... oder ein etwas anderer Sommernachtstraum ...

Zu Anfang stand das Wort des Barden
Larissa! 
Gefangene der Wirklichkeit,
verbittert auf verlor‘ner Suche.
Der einstigen Bestimmung fern,
gleich einem Lügenmärchen -
aus dem Buche.
Ein Häufchen unvollendeter Geschichten
geschäft‘gem Trubel ausgeschlossen.
Demut hat sich in ihr Herz geschlichen
und Gesellschaft sie verdrossen.
Einsiedelei hat Einzug sich erschwindelt,
seither nur Träume kennt,
die keine Regeln mehr erzwingen,
und keine Wirklichkeit mehr nennt.
Neu hat sie die Welt erschaffen,
unverfälscht und gar verzückend.
Von selber Muse bald verlassen,
Schmerzvoll auch entrückte.
In kaltem Traum seither gefangen.
Welch toter Reim der Leere! 
Ach, hoffnungsloses Kind! 
Erfüllt von bloßem Bangen. 
Hinan dies Loch purpurner Schwere!

******
Larissa: „Du trübes Tal der stummen Worte,
was treibst du hier in meinem Traum?
Warum riefst du mich vor diese Pforte?
Und nahmst mir diesen Raum? 
Kahl und düster deine Stimmung,
klamm und einsam trifft sie mich.
Warum strafst du meine leidlich Seele?
Warum dieses ICH?
Bist du gar Rache oberflächlicher Gesinnung?
Hier um mich zu quälen?
Zeigst dich von totem Antlitz mir,
wo keine Vögel lieblich Liedlein singen,
und kein Feenvolk mich aufwärts treibt!
Nicht länger werde ich mich da noch zwingen,
solch unvollkommner Welt,
gar großes Wort der Tiefe vorzuspinnen.
Ach, Traum oh Traum, 
bring mich zurück,
nicht länger wünsch ich zu verweilen.
Kein Licht, kaum Laut!
Kein inn‘rer Garten Eden mehr.
So kehr ich um zu dieser Zeit,
solch leerer Poesie zu schwinden.
Nur im Kindes dünnem Kleid,
kann Fantasie mich wieder finden.
Lass mich gehen ach trübes Tal!


Das zweite Wort des Barden
Schlaflos floh sie ihrem Seelenleiden,
aus Angst auch ihren Träumen fern.
Entschied verbissen wach zu bleiben,
von neuem sich der Welt zu stellen.
Doch bald kam Müdigkeit mit Wonne,
nach vier vergang‘nen Tagen.
Da schlief sie ein und träumte von der Sonne,
sowie von ihren Müßigtaten.

******
Larissa: „Ach trübes Tal der stummen Worte,
sieh an jetzt bin ich wieder da.
Mit neuem Sinn steh ich vor dieser Pforte,
gar ängstlich, was sich mir dahinter offenbart.
Doch wärmer scheint mir nun der Traum,
viel strahlender die unsichtbare Botschaft.
Viel farbenfroher lacht mir dieser Raum,
und williger schenk ich mich deiner Kraft.
Öffne dich du Tor gedankenvoller Sinne.
Schenk mir deine Sonne,
bette mich in warme Schatten, 
und lass hören deine zarte Stimme!

Stimme: „Wo warst du nur, 
schon lange hab ich dich erwartet?“

Larissa: „Jetzt bin ich hier,
und das alleine zählt.
Doch wer bist du zu mir,
gar Ursprung meiner Seele?

Stimme: „Nur du, verborgen unter Fleischeshüllen.
Dein Geist und Wesen, Daseinslicht,
gar unberührte Stille.
Nur Wahrheit eines trügerischen Angesichts.

Larissa: „Dann bin ich hier in trügerischer Reue?“

Stimme: „Nein, dein Auftrag ist dich selbst zu finden!“

Larissa: „Dann bist du Herrin meiner Träume?

Stimme: „Auch das, 
und deine inn‘re Stimme“. 

Larissa: „Was hast du mir zu sagen?“

Stimme: „Das Wort alleine reicht nicht aus dafür“

Larissa: „Dergleichen schenk mir Taten“.

Stimme: „So sei es, komm, und folge mir“.


Das dritte Wort des Barden
Folgend so der sanften Lichterstimme,
fand Larissa plötzlich düst‘ren Wald.
Vom Herzen schwer ward ihr dies Reich,
dies finstre Tal!
So viele Bäume! Alle krank!
Kein Wind zog ein,
kein Rauschen einst bewegter Kronen.
Das Bächlein schwieg und Angst allein
schien diesen Ort nur zu bewohnen.

******
Larissa: „Wo bin ich hier gelandet?
Wohin hast du mich entführt?“

Stimme: „Jeder Baum ist ein gestrandeter Gedanke,
Erinnerung, die sich in Angst verliert.

Larissa: „Warum sind sie krank?
Was hab ich ihnen angetan?“

Stimme: „Hast sie verdrängt,
 in sonnenloses Land,
verschenkt im Zorn“.

Larissa: „Dann war‘n sie boshaft ohnedies,
so trifft nicht mich die Schuld“.

Stimme: „Doch worin steckt dann noch ihr Sinn?
Wozu noch solch Geduld?“

Larissa: „Wie soll ich‘s wissen, sag es mir!“

Stimme: „Die Antwort sollst du selber finden,
deine Seele offenbart sich hier.“

Larissa: „Wie soll ich das erbringen?“

Stimme: „Sie sind Geschöpfe deiner Selbst,
musst nur sie wieder in dein Leben lassen.
Wenn du dich ihnen erstmal stellst,
auch aufhören wirst, sie länger noch zu hassen“. 

Larissa: „Was! 
Ausliefern soll ich mich!?
All diesen kranken Sprössen?
Entbrannter Bitterkeit mich gar ergeben?“

Stimme: „Ausliefern, ja! An dich 
und deine eignen finst‘tren Possen!
Denn um Antwort dir zu finden,
sollst ohnedies du,
deiner Selbst zuerst vergessen.

 
Das vierte Wort des Barden
Die Stimme ging,
nach diesen letzten Worten.
Zurück nur blieb,
ein einsam Lied verstummter Lauten.
Verloren ging Larissa,
erneut im Schlafe gar gefangen,
durch dieses Traumtheater.
Doch jeder Schritt,
wog schwerer noch,
und sank befangen.
Bestürzung nur trieb sie voran,
getrübt von ungewissem Ziele.
Nirgendwo ein Stückchen Klang,
kein Weg hinaus,
aus dieser Welt geschändeter Gefühle.

******
Larissa: „In Reih und Glied, 
so stehn‘ sie da,
gebeugt vom gräulich Schein der Wolken.
Kein Lied vom Winde,
Seitenlang,
ist Willens mir zu folgen.
Stummes Leiden engt mich ein.
Ich wandle hier im Dunkeln!
Bescheiden rollt mein stumpfes Sein,
hab mich verirrt!
Im Blute nie verheilter Wunden!
Gar trocken bebt die Erde unter mir,
zerrissen zürnt das Firmament!
Dürstend stöhnt verhungertes Getier,
nach meinem Geist,
der auf Erlösung drängt!
Verdrießlich Schweigen lähmt mich wild,
gläsern ächzt ein starrer Fluss.
Traurig glänzt darin mein Spiegelbild,
vergänglich wie ein zarter Kuss.
Trübe Tränen!
Kaltes Licht!
Mein Zeugnis von Zerfall?
Oh, so steht sie mir ins Angesicht,
verderbte Maske, 
Stolz aus Stahl.
Ach Geister! Geister!
Die ihr wirkt in diesem toten Reich,
erhöret mich in leerster Stunde!
Bring Trost mir - Oder Zorn!
Ganz gleich!
Doch lehret mich die Botschaft eurer Kunde!“






_________________
ich mag die Stimmen in meinem Kopf ebenso, wie deren geilen Ideen und die Hoffnung die aus ihnen spricht.  Suspect  sunny  I love you
avatar
Evelucas
Admin
Admin

Anzahl der Beiträge : 838
Punkte : 2540
Anmeldedatum : 27.11.14
Alter : 40

http://schreib-elan.forumieren.net

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten