Das Gesicht

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Das Gesicht

Beitrag von Evelucas am Sa 21 Nov 2015 - 12:36

Leseprobe 2


Zusammenfassung:
Ein unbekannter Herr erscheint täglich im Dorotheum, 
sein Blick ruht da, Stunde um Stunde immer nur auf einem Gesicht. 
Wer ist sie zu ihm? Und in welchen Bann hat sie ihn geschlagen?

Evelucas
Das Gesicht
... schon Eines hat ganz viele ...

Draußen prasselte unablässig Regen auf den Asphalt. Er lauschte diesem vertrauten Geräusch, 
stand nur da und starrte in dieses eine Gesicht. Bis all seine Gedanken nur noch darum kreisten.

Was für ein Gesicht! 
Feinsinnig und zart. 
Anmutig gar, vertraut und fremd in Einem. 
Plastisch, zum Anfassen schön. 
Blaue Augen. Die ganze Welt schon gesehen. 
Sie erkannt!
Schon tausende Meere verschluckt. 
Und für alle Zeiten bewahrt.

Was für ein Gesicht!
Nur diese blasse Haut.
Welch zerbrechlicher Teint.
Karges Elfenbein auf leerträumender Mine. 
War es jemals wirklich? 
Lebendig und hier?
Strahlend durch Zeit und Raum. 
Gar hell und doch so betrübt.
Von weisen Schatten umflossen. Und fern!
Wie ein stiller Traum.

Was für ein Gesicht!
Antlitz eines schweigsamen Engels. 
Hochgefahren aus der Hölle! 
Zwischengelandet hier?
Für ein Kurzes, Hallo?
Wieder abgetaucht in die Tiefe.
Steil hinab, in Wolken gefallene Tristesse.
In hinterbliebene Herzen gepflanzt. 
So lange her.

Was für ein Gesicht!
Ist es denn schön? Elfengleich gar? 
Oder angepasst nur? 
Entwertet im Glanze heuchlerischer Massen.  
Von Opfern zerrissen! Weinerlich sogar?
Gezeichnet in farblose Haut. Geglättet vom Schein. 
Verworfen im Traum der Erfüllung. 
Verbittert vielleicht? 

Was für ein Gesicht!
Müdigkeit hinter schimmernden Backen. 
Weder Rosa, noch rund, noch frisch. 
Unter tiefen Schatten gelegen. 
Ergebene Lippen. Gebogenen Mundwinkeln gleich. 
Keine Linie da, geschwungen und seicht.
Von unnatürlicher Blässe geschminkt,
lebendig pulsierend zugleich. 

Was für ein Gesicht!
Pastellen umschwärmt, dieses träge Lächeln.
Pulsierend dahinter, versteckte Authentizität. 
Verborgen hinter einer Maske voll Glück. 
Verfälscht und entstellt. 
Welch fügsame Toleranz. 
Verpfuscht und verschleiert. 
Ertrunken in analogischen Nebeln.
Welch indiskrete Heroin.
Eigens erschaffen von Hand,
einer verklärten Vollkommenheit.

Was für ein Gesicht!
So sprunghaft, wie launig. 
Von bleiernen Locken umgarnt. 
Gar glänzend umkämpft.
In geheimer Sprache. 
Gefangen in anschmiegsamer Dominanz, 
und von lieblichem wispernd.
Mild abfallend gleich darunter, 
welch zart gespitztes Kinn. 
An dreister Empfindsamkeit kaum zu übertreffen.

Was für ein Gesicht!
Nicht alt, nicht hübsch.
Weder jung, noch alterslos. 
Nicht leer, nicht voll. 
Weder fröhlich, noch unglücklich. 
Doch ungerührt und erfahren. 
Gar nachdenklich heute. 

Warum? ... 

Leseprobe Ende ...



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