Lektorat (Team: Anonymus1) - was wir tun?

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Lektorat (Team: Anonymus1) - was wir tun?

Beitrag von SchreibElan Lektorat am Sa 20 Jun 2015 - 16:08

Liebes Autorenteam und Wettbewerber

Ein paar Tipps vorab, was ihr auch selbst zur Überprüfung eurer Texte tun könnt:

Sucht euch zuerst ein paar Beta-Leser aus eurem Umfeld.
Das müssen keine Profis sein.
Es reicht, wenn sie gerne lesen und sich ein bisschen mit Rechtschreibung und Grammatik auskennen. Damit kann man sich im Vorfeld gut rüsten.


Trotz Freunde, und Familienmitglieder, sollte sich ein Autor jedoch zusätzlich Hilfe zum Lektorieren nehmen.
Ein Lektor ist nämlich kein Freund - und das ist gut so. Denn Freunden fällt es schwer, deutlich auszusprechen, was am Text nicht stimmig ist.

Die Aufgabe eines Lektorats besteht darin, das Werk eines Autoren zu optimieren. Er ist sozusagen der Feinmechaniker der Texte und bemüht sich, Unstimmigkeiten zu entdecken und zu verbessern.
Das muss dem Autoren manchmal nicht gefallen, soll aber ein Anreiz sein, sich seinen Text noch einmal genauer durchzulesen.
Autoren sind oft betriebsblind, erkennen Unstimmigkeiten nicht, übersehen kleinere Fehler, da sie einfach eine andere Sichtweise ihrer Geschichte haben oder Dinge überlesen.
Vollkommen klar: Das Werk ist 'das Kind' des Autoren, und welche Eltern sehen es schon gerne, wenn ihre, für sie perfekten Kinder, von Fremden kritisiert werden?

Deswegen ist es wichtig, zu wissen, dass man gemeinsam ein Ziel erreichen möchte.
Das verlangt klarerweise einiges an Arbeit von beiden Seiten aus.

Dabei sollte man folgendes im Auge behalten:
Autoren sind Menschen,
Lektoren sind Menschen,
irren ist menschlich, und wir sind alle nicht perfekt.

100 %ige Fehlervermeidung kann niemand garantieren, aber man kann es versuchen.

Und jetzt zu unserer Tätigkeit:

Unser Team arbeitet in mehreren Durchgängen - hier sind die drei Hauptdurchgänge mit zusätzlichen Beispielen und Infos.

1. Durchgang:

Zuerst überprüfen wir, ob der Inhalt des Textes ausgewogen ist.

Bedeutet:

° Zieht sich der Spannungsbogen ausgewogen durch die Storyline?

° Ist die Handlung logisch?

° Stimmt das Timing?

Beispiele:
Kurzer Dialog mitten in der Nacht - kann da die Morgendämmerung hereinbrechen?
Antwort: nein - kurze Dialoge in der Nacht können nicht bis zum Morgen andauern.

Der Weg vom Haus in den Wald dauert einmal zehn Minuten und dann wieder dreißig.
Kann nicht sein: wenn der Weg zehn Minuten dauert, kann er nicht plötzlich dreißig Minuten dauern.

° Handeln die Figuren immer so, wie es ihnen entspricht?

° Stimmt die Erzählerperspektive?

° Wird die Geschichte (das Kapitel, der Absatz) schlüssig beendet?

Oftmals ergibt sich nach dem ersten Durchgang die Notwendigkeit, Änderungen am Text vorzunehmen.
Deswegen wird erst im zweiten Durchgang verstärkt auf Sprache und Stil geachtet.
Dann erst weiß man, dass die bearbeiteten Texte nicht mehr rausfliegen. Sonst wäre die Arbeit ja umsonst.



2. Durchgang:

° Satzbau (abwechslungsreich, fehlerfrei, verschachtelte Sätze)

° Füllwörter

° Verdoppelungen

° Häufungen von Adjektiven oder/und Adverbien

° Nicht passende Behördensprache oder Sachbuchsprache

° Richtige Anwendung der Zeitformen

und natürlich

° Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Erklärungen und Beispiele


Verschachtelte, lange Sätze :
Lange Sätze erschweren es dem Leser, den Sinn rasch zu erfassen.
Besonders dann, wenn mehrere Nebensätze aneinandergereiht werden.
Oftmals lassen sich viele Informationen in zwei oder drei kurzen Sätzen wiedergeben und runden die Erzählung ab.

Füllwörter:
Worte, die man streichen kann, ohne dass der Satz seinen Sinn verliert.
Es gibt keine fixe Regel.

Unser Tipp:
Der Autor kann selbst ausprobieren, wie sich der Text verändert, wenn er probeweise Füllwörter streicht.

Worte, die den Text verständlicher und straffer, klarer und lesefreundlicher machen, haben ihren Sinn gefunden.
Alle anderen gehören weg.

Beispiele Füllwörter:
Sie beharrte sozusagen auf ihre Meinung, indem sie heftig aufbegehrte.
Er schlug vor, dass man doch ins Kino gehen könnte.
In Erwägung ziehen – erwägen
Dem Bedauern Ausdruck verleihen – entschuldigen

HIER: Texterkennung-Füllwörter

Beispiele Verdoppelungen: unangenehm, weil sie die Texte unnötig aufblähen.
Der schwarze Rappe - das Wort Rappe beinhaltet bereits 'schwarz'
Kleine Maus - im Wort Maus ist ,klein‘ schon enthalten
Das scharfe Messer - das Wort ‚Messer‘ setzt bereits voraus, dass es scharf ist
leise flüstern - flüstern ist schon leise - also entfällt es.

Satzbeispiele:
»Der rotbraungemusterte Hengst wieherte laut, anhaltend und lange – es war ein wunderschönes, ansehnliches Tier mit vielen großen und kleinen, auf ihm verteilten Flecken.«


Besser: Der Hengst wieherte laut und anhaltend. Es war ein schönes Tier mit vielen Flecken.

Die dunkle Nacht verschlang alles.


Besser: Die Nacht verschlang alles.

Erfahrungsgemäß ist die Nacht dunkel, also genügt das.

Beispiele Handlungsverstärkend:

Die stürmische Nacht – die unheilvolle Nacht ... usw.

DAS ist in Ordnung und bläht den Satz nicht unnötig auf, sondern erzeugt Spannung.

Adjektive und Adverbien

Hier der Unterschied:

Ein Adverb beschreibt die Art und Weise, wie etwas getan wird viel näher.

Ein Adjektiv bezieht sich auf das Subjekt eines Satzes und schreibt ihm eine Eigenschaft zu.

Adverbien-Liste



3. Durchgang:

Schließlich und endlich wird erneut alles überlesen, der Text durch ein Korrekturprogramm gejagt und nach Absprache mit dem Autor abgeschlossen.

Ein typisches Überarbeitungsbeispiel, gibt es hier zu begutachten: SchreibElan-Beispiel zu einem einfachen Lektorat

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